Literatur

Deutscher Buchpreis an Anne Weber: Der Preis bleibt heuer bei der Buchmesse die große Konstante

Die Frankfurter Buchmesse beginnt mit dem Deutschen Buchpreis für Anne Weber.

Anne Weber. SN/APA (dpa)/Arne Dedert
Anne Weber.

Zumindest die Aufmerksamkeit hat die Gewinnerin des Deutschen Buchpreises heuer wohl ungeteilt für sich. Anne Weber nahm - ganz analog - den Preis für "Annette, ein Heldinnenepos" entgegen. Es geht in dem Buch um die heute 96-jährige Anne Beaumanoir. Mit 16 Jahren trat die Französin in der Resistance ein, rettet jüdische Kinder und wird Kommunistin. Später wird sie Medizinerin und geht im Kampf für ein unabhängiges Algerien in den Maghreb und dafür ins Gefängnis. Dann kommen Flucht und Trennung von Familie und Kindern. Für die literarische Aufarbeitung dieser Lebensgeschichte hat die 55-jährige Autorin das Epos gewählt: Ein antiker Referenzrahmen, in dem es traditionell um Götter und Helden geht, den Anne Weber auf ihre Weise gelungen ästhetisiert. "Die Kraft von Anne Webers Erzählung kann sich mit der Kraft ihrer Heldin messen", lautete die Begründung der Jury. Es sei ein Roman über Mut, Widerstandskraft und den Kampf um Freiheit, eine Geschichte voller "Härten, aber mit Ironie erzählt".

In ihrer kurzen Rede bedankte sich die 55 Jahre alte Autorin bei der 96-Jährigen, "die nicht nur die Heldin meines Buches ist, sondern eine wirkliche Heldin". Aus Aberglaube habe sie keine Dankesrede vorbereitet, sagte Weber, nur eine kleine Trostrede an sich selbst, aber die könne sie nun ja schlecht halten. "Mir ist bewusst, dass der Erfolg des Buchs nicht allein meiner Erfindungs- und Gestaltungsgabe zu verdanken ist, sondern auch dem wirklichen Leben dieser Frau, deren Geschichte ich erzähle." Sie habe versucht, so wenig wie möglich dazu zu erfinden

Buchmessen werden heuer großteils online stattfinden

In anderen Jahrgängen, in denen die Auszeichnung vergeben wird, wird die Nachricht von Preisträger und Jurybegründung meist schnell wieder von den nächsten Nachrichten aus der Literaturbranche überlagert. Starke Konkurrenz bedeutet in anderen Jahrgängen auch die Verkündung des Nobelpreises für Literatur, die zeitlich meist in die Woche des größten deutschsprachigen Branchenevents fällt. Heuer jedoch ist fast alles anders. Die Nobelpreis-Überraschung gab es schon vergangene Woche. Und die Frankfurter Buchmesse findet 2020 ganz ohne Publikum statt. Alles konzentrierte sich also auf die Verleihung des Deutschen Buchpreises. Zur Wahl standen neben Weber noch Bov Bjerg ("Serpentinen"), Thomas Hettche ("Herzfaden"), Deniz Ohde ("Streulicht"), Dorothee Elmiger ("Aus der Zuckerfabrik") und Christine Wunnicke ("Die Dame mit der bemalten Hand").

Der Preis ist mit 37.500 Euro dotiert: Davon erhält der Sieger 25.000 Euro, die anderen Shortlist-Kandidaten je 2500 Euro. Aus 206 Büchern hatte die siebenköpfige Jury die diesjährige Auswahl getroffen. Aus österreichischer Perspektive war der Bewerb bereits mit der Bekanntgabe der Shortlist zu Ende gegangen: Von den fünf Kandidaten aus Österreich, die es zuvor auf die Longlist geschafft hatten, blieb kein Name in der Endauswahl.

Dass die Veranstalter der Frankfurter Buchmesse am Montag kurzfristig auch das Konzept für eine Mischform zwischen Publikums- und Onlineformaten verwerfen mussten, begründeten sie mit den steigenden Corona-Infektionszahlen. Die Entscheidung betrifft auch die traditionelle Eröffnungsfeier am Dienstag, zu der 250 Gäste hätten kommen sollen. "Wir haben aus Rücksicht auf die Gesundheit der Gäste entschieden, die Risiken zu minimieren, sagte Direktor Juergen Boos. Die im Rahmen von "Bookfest City" geplanten Veranstaltungen in der Innenstadt sollen aber wie angekündigt stattfinden.

Quelle: SN-Pac, Bef, Dpa

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