Literatur

Helle, Lucadou & Van der Linden: Die SN-Buchtipps der Woche

Kulturjournalist Anton Thuswaldner hat für die SN-Leser seine Buchtipps der Woche zusammengestellt.

 SN/dpa-zentralbild

Heinz Helle: Die Überwindung der Schwerkraft. Roman. Geb., 201 S. Suhrkamp, Berlin 2018.

Zwei Halbbrüder. Der eine ist deutlich älter als der andere, ist aber tot. Das verwindet der Jüngere nicht und redet sich in einen Erinnerungsfuror, der nach dem Prinzip des Bewusstseinsstroms gearbeitet ist. Sätze wollen an kein Ende kommen, Absätze sucht man vergeblich, das stellt den hohen Emotionsgrad nach, auf dem diese Form nachgetragener Liebe verhandelt wird. Der Jüngere stellt sich Fragen von existenzieller Notwendigkeit. Warum scheiterte sein Bruder, warum musste er in einer Welt, die voll von Gewalt ist, untergehen? Jedenfalls war er kein Gleichgültiger, den die grauenhaften Zustände und die Art, wie Menschen einander quälen, gleichgültig gelassen hätten. Er ließ sich berühren und dass sich nur die Starken durchsetzen, erweist sich für einen Grübler als verhängnisvoll. Heinz Helle ist ein klug kalkulierender Autor, der das Schmerzgefüge in eine literarische Form bringt. Allmählich beginnt er sich durchzusetzen, mit seinem jüngsten Roman gehört er zur ersten Garnitur in der deutschsprachigen Literatur.

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