Literatur

Kraus, Gibsen und Rossbacher: Die SN-Buchtipps

Die Büchertipps der Woche, vorgestellt von Anton Thuswaldner.

 SN/APA (dpa/Symbolbild)/Jens Kalaen

Chris Kraus: I Love Dick. Aus dem amerikanischen Englisch von Kevin Vennemann. Geb., 292 S. Matthes & Seitz, Berlin.

Zwanzig Jahre hat es gedauert, bevor dieses autobiografisch untermauerte Buch von Chris Kraus ins Deutsche übersetzt wurde. Was damals als Sensation gehandelt wurde, ist inzwischen einer beruhigten Normalität gewichen. Denn was Chris Kraus unternimmt, ist ein Akt der radikalen psychischen Selbstentblößung, die inzwischen durch den Norweger Karl Ove Knausgård zur Perfektion getrieben wurde. Kraus erzählt von der Begegnung mit Dick, in den sie sich nicht nur auf der Stelle verliebt, sondern der sich zur Obsession auswächst. Sie richtet Briefe an ihn, in denen sie sich mit Intimitäten nicht zurückhält. Dennoch geht das Buch über eine private Selbstfindungsgeschichte weit hinaus, weil Kraus ihre Biografie auf dem Hintergrund der New Yorker Kunstszene beschreibt und dadurch die Gesellschaft, die solch eine verrückte Liebe erst möglich macht, analysiert wird. Das ist klug gedacht, mit dem Mut zur Selbstironie verfasst und nie larmoyant, davor bewahrt die Autorin die Theoriegesättigtheit ihrer Gedanken.

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