Literatur

Neuer Film über Thomas Bernhards Beziehung zu Ohlsdorf

Thomas Bernhard und Ohlsdorf - der Autor und der kleine oberösterreichischen Ort sind eng miteinander verbunden. Über die nicht immer friktionsfreie Beziehung haben Matthias Greuling und David Baldinger den Film "Der Bauer zu Nathal" gedreht. In dem auf Crowdfunding-Basis finanzierten Streifen kommen Ohlsdorfer zu Wort. Nicholas Ofczarek liest Texte des Autors.

"Der Bauer zu Nathal" will "kein Film über Thomas Bernhard" sein SN/APA/SCHMIED Erika
"Der Bauer zu Nathal" will "kein Film über Thomas Bernhard" sein

Wer sich über Ohlsdorf informieren will, stößt binnen kürzester Zeit auf den Schriftsteller als bekanntesten Sohn, auf das Thomas-Bernhard-Haus als wichtigste Sehenswürdigkeit der 5.200-Seelen-Gemeinde oder auf den Thomas-Bernhard-Weg. "Der Bauer zu Nathal" will explizit "kein Film über Thomas Bernhard" sein. Greuling ("Wiener Zeitung", "celluloid") und Baldinger (Ö1), die damit ihre erste Dokumentation vorgelegt haben, verstehen ihn vielmehr als Charakterstudie einer Region.

Vom Geld des Bremer Literaturpreises, den er 1965 für seinen Roman "Frost" erhielt, kaufte sich Thomas Bernhard einen Vierkanthof in Ohlsdorf, Obernathal 2, den er nach und nach selbst restaurierte. "Ein Geister- und Gespensterhaus", sagt sein Halbbruder Peter Fabjan im Film, aber: "Das Haus ist er." In Bernhards Reisepass stand fortan die Berufsbezeichnung "Landwirt". Aber auch wenn er sich immer Kühe im Stall gewünscht hatte: ein Bauer war er wohl nie.

Baldinger wuchs selbst im Vierkanthof seiner Eltern in Ohlsdorf als Nachbar von Thomas Bernhard auf. "Uns kam die Idee, diesen lokalen Startvorteil zu nutzen und dadurch einen unverstellten Einblick in die Denkweise der Menschen in Ohlsdorf, der einstigen Nachbarn und Zeitgenossen Bernhards zu gewinnen." In Greuling, der bereits von jung an von der Sprache Bernhards begeistert war, fand er den passenden Partner: "Wir wollten uns ansehen, inwieweit das Erbe des toten Dichters bis heute noch die Menschen in Ohlsdorf beeinflusst und stellten uns die Frage, wie man mit einem solchen Erbe überhaupt umgehen kann als agrarisch orientierte Landgemeinde", erklärte Greuling die Intention des Filmes.

Der Weg zur fertigen Dokumentation war aber noch ein weiter - nicht zuletzt des lieben Geldes wegen. Die beiden Regisseure beschlossen, es mit Crowdfunding zu versuchen. Statt der erhofften 12.000 Euro sammelten sie sogar 15.000 Euro ein. "Obwohl das natürlich ein Mikrobudget für einen Film ist und die meiste Arbeit über die vergangenen fünf Jahre gänzlich unbezahlt erfolgte, konnten wir so immerhin eine professionelle Nachbearbeitung und den Kinorelease realisieren", sagt Greuling.

Quelle: APA

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