Literatur

Salzburgerin Birgit Birnbacher bekam für ihr Gespür den Bachmann-Preis

Die Salzburgerin Birgit Birnbacher gehört jetzt zu den Größen des Literaturbetriebes. Denn sie gewinnt den Bachmann-Preis.

Bei den Gestrandeten kennt sich Birgit Birnbacher aus. Die Salzburgerin - sie stammt aus Schwarzach im Pongau - hat als Sozialarbeiterin viele Kämpfe ums tägliche Überleben mitbekommen.

Das hat ihren Blick auf eine Gesellschaft geschärft, die aus dem Sichtfeld schiebt, was verstören könnte. In ihrer Literatur bietet sie jenen eine Bühne, denen sonst niemand zusieht, weil Not beklemmend und unerquicklich ist.

Seit ihrem ersten Roman, "Wir ohne Wal" aus 2016, beweist Birgit Birnbacher ein Gespür für das Schicksal der Menschen, die eine Biografie aufweisen, aber keine Karriere.

Sie kennt verkorkste Lebensläufe, beutet sie aber nicht aus, sondern besteht auf ihrer Fähigkeit der Einbildungskraft, die prekäre Verhältnisse nicht im Sumpfgebiet der Tristesse belässt.

Wir machen Bekanntschaft mit Figuren, die über ausgeprägten Eigenwillen verfügen, sperrige Charaktere abgeben, weder in Demut aufgehen, wenn sie wenigstens auf Zeit unbehelligt bleiben, noch zu Randalen neigen, wenn sie sich im Unrecht wähnen. Sie leben in ihrer Welt und bleiben unter sich. Sie sind Bewohner von Sozialbauten im Reich der Überlebenskämpfer.

In"Wir ohne Wal" treten Figuren auf, denen es zu eng wird in ihrem Dasein, und dennoch kommen sie schwer heraus aus einer Niedergeschlagenheit, die den Grund in Verhältnissen hat, die wie unter Eis erstarrt sind.

Melancholie ist Birnbacher nicht fremd, sie ist wie feiner Firnis über die Prosa gebreitet. Das hindert die Autorin nicht daran, einer Welt in Schwarz und Grau die hellen Farben der Zuversicht überzustreifen. So gelähmt die Figuren in ihren Ambitionen auch sein mögen, der Stachel des Ungenügens, der aufräumen will mit den Zuständen, arbeitet in ihnen.

Mit der Erzählung "Der Schrank" bekam sie beim Lese-Wettbewerb in Klagenfurt die größte Zustimmung der Jury und somit am Sonntag den Ingeborg-Bachmann-Preis, einen der renommiertesten Preise für deutschsprachige Literatur.

Dass die Gesellschaft findig ist, mit Abweichlern fertig zu werden, nimmt Birgit Birnbacher wahr und wehrt sich dagegen, an einer Welt mitzuarbeiten, die Freiräume einschränkt.

Eine Studie wird durchgeführt über "Lebensverhältnisse und Neue Arbeit". Dazu werden Freiwillige gesucht, die Informationen über ihre unwürdige Behandlung unter neoliberalen Bedingungen liefern.

Der "Beobachter" ist dafür zuständig. Die Geschichte nimmt eine Wendung ins Unerklärliche, wenn plötzlich ein Schrank auf dem Gang steht, in den die Erzählerin am Ende verschwinden wird - ein Abgang in die Unsichtbarkeit.

Verkommene Helden und schräge Typen

Der Deutschlandfunk-Preis von 12.500 Euro wurde dem Vöcklabrucker Leander Fischer zugesprochen. Die 43. Tage der deutschsprachigen Literatur werden wohl als Veranstaltung der verkommenen Helden und schrägen Typen in die Annalen eingehen.

Auch in Leander Fischers Text treffen wir einen, der in seiner eigenen Welt lebt, nicht rechts noch links blickt und seiner gepflegten Obsession folgt. Nichts weniger als die perfekte Fliege zum Fischen will Ernstl erschaffen, das große Wort ist tatsächlich angebracht, hängt doch seine Existenz daran.

Was jedem anderen als abseitiger Zeitvertreib erscheinen mag, bedeutet für Ernstl die Welt. Das Glück des Angelns besteht nicht im Töten der Beute, deshalb eine Angel ohne Widerhaken, sondern in der Erzeugung der perfekten Täuschung durch eine Superfliege. Wenn das nicht Kunst ist: durch Illusion den Eindruck von Wirklichkeit zu erzeugen!

Freundlicher Finsterling

Den Kelag-Preis mit 10.000 Euro bekam die Kärntnerin Julia Jost für ihren Text "Unweit vom Schakaltal". " Sie lässt kein gutes Haar an der österreichischen Provinz. Sie ist böse und ironisch, ein freundlicher Finsterling der Hinterlist. Und Freundlichkeit will etwas heißen in einem Text über eine Gegend, aus der der Nationalsozialismus noch nicht verschwunden ist.

Yannic Han Biao Federer aus Breisach am Rhein darf sich über 7500 Euro des 3sat-Preises freuen. Der Publikumspreis von 7000 Euro ging an Ronya Othmann für den erschütternden Text über das Wüten des IS.

>>> Hier geht's zum Text "Schrank" von Birgit Birnbacher

Quelle: SN

Aufgerufen am 16.07.2019 um 12:23 auf https://www.sn.at/kultur/literatur/salzburgerin-birgit-birnbacher-bekam-fuer-ihr-gespuer-den-bachmann-preis-72727255

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