Literatur

Scheerer, Becker und Kerstan: Die SN-Buchtipps der Woche

Die Buchtipps der Woche, vorgestellt von Anton Thuswaldner.

 SN/apa (dpa)

Johann Scheerer: Wir sind dann wohl die Angehörigen. Roman. Geb., 239 S. Piper, München 2018.

Roman bedeutet in diesem Fall eine Schutzbehauptung. Johann Scheerer, Jahrgang 1982, erzählt von einem Fall der deutschen Kriminalgeschichte, den er selbst hautnah miterleben musste. Roman heißt in diesem Fall, dass sich der Verfasser in Distanz zum Geschehen begibt, um einen Außenstandpunkt einzunehmen, der ihm hilft, über das Geschehene zu schreiben. Scheerer war dreizehn Jahre alt, als seine Mutter sehr früh in sein Zimmer kommt, um ihn zu wecken: "Johann, ich muss dir etwas sagen." Dass etwas nicht stimmt, ist ihm schlagartig bewusst. "Wir müssen jetzt gemeinsam ein Abenteuer bestehen." Der Vater ist entführt worden, eine hohe Lösegeldforderung steht im Raum. Das ist die Geschichte, wie der Zigarettenerbe Jan Philipp Reemtsma im Frühling 1996 gut einen Monat lang in einem kargen Raum festgehalten wurde, aus der Sicht seines Sohnes, dessen Leben mit einem Schlag aus der Unbekümmertheit der Jugend gefallen ist. Das ist berührend erzählt und kommt ohne Wut und Hassgefühle aus.

7 Tage lang kostenlos und unverbindlich.

Ihr 7-Tage-Test ist bereits abgelaufen. Lesen Sie jetzt weitere 30 Tage kostenlos.

Mehr Infos

Sie sind bereits Digitalabonnent?

Aufgerufen am 13.12.2018 um 07:01 auf https://www.sn.at/kultur/literatur/scheerer-becker-und-kerstan-die-sn-buchtipps-der-woche-41813752