Literatur

Zwei Literaturnobelpreise gegen den Skandal

Die Schwedische Akademie will am Donnerstag zwei Literaturnobelpreise vergeben und den Skandal des Vorjahres hinter sich lassen.

Aus dem Schatten der #Metoo-Debatte und der anschließenden Krise will die Schwedische Akademie am Donnerstag mit der Vergabe von zwei Nobelpreisen für Literatur treten. SN/AFP
Aus dem Schatten der #Metoo-Debatte und der anschließenden Krise will die Schwedische Akademie am Donnerstag mit der Vergabe von zwei Nobelpreisen für Literatur treten.

Nach einem dramatischen Jahr bei der Schwedischen Akademie will die Vergabe-Institution des Literaturnobelpreises eine schwere Zeit endlich hinter sich lassen. Glücken soll das, indem am Donnerstag nicht nur der diesjährige Preisträger verkündet, sondern gleichzeitig auch die Vergabe der Auszeichnung für das Jahr 2018 nachgeholt wird. Nicht jeder hält das Vorgehen für angebracht.

Bei der Akademie in Stockholm hofft man auf ein paar Positivschlagzeilen. Dafür hat sie sich nach eigenen Angaben ordentlich ins Zeug gelegt: Unter anderem sei intensiv daran gearbeitet worden, die Abläufe in der Organisation zu klären und Verantwortlichkeiten abzustimmen, um so die Transparenz sowohl innerhalb der Institution als auch zwischen der Akademie und der Außenwelt zu verbessern, sagte der neue Ständige Sekretär Mats Malm der Deutschen Presse-Agentur. Das Nobel-Komitee ist erweitert worden und besteht nun zur Hälfte aus externen Mitgliedern.

Nötig wurde das wegen der Querelen um das mittlerweile ausgetretene Akademiemitglied Katarina Frostenson und ihren Ehemann Jean-Claude Arnault, beide wichtige Personen der Stockholmer Kulturszene. Wegen Vergewaltigung wurde Arnault im Dezember 2018 zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Als wäre das nicht genug, warf die Akademie Frostenson und Arnault vor, die Literaturnobelpreisträger vorab ausgeplaudert und damit gegen ihre Geheimhaltungspflicht verstoßen zu haben.

Der Weg aus der Krise soll am Donnerstag abgeschlossen sein - und zwar um Punkt 13 Uhr. Dann wird Malm mehr oder weniger in einem Atemzug die Literaturnobelpreisträger der Jahre 2018 und 2019 verkünden. Dass dabei einer der beiden im Schatten des anderen stehen wird, daran glaubt man in der Akademie nicht. "Die Preise von 2018 und 2019 werden gleichermaßen geschätzt, und wir glauben, dass die Aufmerksamkeit und der Ruhm reichlich sein werden für beide", sagte Malm.

Zwar ist der Altersdurchschnitt immer noch hoch und der Anteil von Frauen mit 33 Prozent weiter niedrig. Aber die Statuten erlauben mittlerweile Austritte. Mehrere Mitglieder gingen, neue kamen - so viele, dass die Institution erstmals seit beachtlichen 30 Jahren wieder vollständig sein wird. Für Frostenson sitzt Dichterin Tua Forsström nach der offiziellen Amtseinführung am 20. Dezember künftig auf dem Platz mit der Nummer 18.

Mit Mats Malm hat zudem ein neuer Ständiger Sekretär das Ruder übernommen. Er macht keinen Hehl daraus, dass die Krise Spuren hinterlassen hat. "Es ist schmerzhaft gewesen. Es gibt blaue Flecken", sagte er zuletzt auf der Buchmesse in Göteborg.

Ob das Nachholen des Preises aus dem Vorjahr richtig oder falsch ist? Auch das muss sich erst noch zeigen. Die frühere Ständige Sekretärin Sara Danius hält das Vorgehen für einen Fehler. Aus Respekt vor den Frauen, die Opfer des Mannes im Zentrum des Skandals geworden seien, hätte man sich entschließen sollen, für 2018 auch nachträglich keinen Preis zu vergeben, sagte sie im März im schwedischen Fernsehen. "So hätte man in Erinnerung behalten können, dass tatsächlich etwas passiert ist. Wie ein Sprung in der Scheibe."

Quelle: SN, Dpa

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