Kultur

Madrider Oper feiert letzte Hommage an Gerard Mortier

Am Montagabend wird im Madrider Teatro Real "Die Stadt der Lügen" uraufgeführt. Mit der Weltpremiere versteht die Königliche Oper als eine letzte Hommage an ihren im März 2014 verstorbenen Intendanten Gerard Mortier (1943-2014). Das Teatro Real hatte den ehemaligen Intendanten der Salzburger Festspiele 2010 nach Madrid geholt, um frischen Wind in das verstaubte Opernhaus zu bringen.

Gerard Mortier erhält letzte Ehrung im Teatro Real.  SN/APA (EFE)/Paco Campos
Gerard Mortier erhält letzte Ehrung im Teatro Real.

Der belgische Opern- und Theaterintendant machte sich mit originellen Produktionen und ungewöhnlichen, aber klug durchdachten Spielplänen schon bei der Essener Ruhrtriennale, aber auch bei den Salzburger Festspielen, die er von 1992 bis 2001 als Nachfolger von Herbert von Karajan leitete, einen internationalen Namen als Modernisierer. So war es auch Mortier, der noch kurz vor seinem Tod das Stück "Die Stadt der Lügen" für das Teatro Real in Auftrag gab.

Das experimentelle Musiktheater der spanischen Komponistin Elena Mendoza basiert auf den vier Geschichten "La ciudad de las mentiras" des uruguayischen Schriftstellers Juan Carlos Onetti (1909-1994). Es erzählt von vier Frauen, die sich in dem imaginären Ort Santa Maria bis zum Tode an ihre existenziellen Lügen klammern. Die Charaktere, dargestellt von fünfzehn Sängern, Schauspielern und Instrumentalisten auf der Bühne, versuchen durch Lebenslügen und Selbstinszenierungen ihre Verzweiflung über das Leben und die Isolation des Einzelnen zu überwinden.

Es handelt sich um eine absurde, teils humorvolle, aber auch nicht immer leicht durchschaubare Geschichte, für die Matthias Rebstock das Libretto schrieb. Musikalischer Leiter ist Titus Engel, der im Auftrag Mortiers 2013 auch schon Charles Wuorinens Schwulendrama "Brokeback Mountain" am Teatro Real uraufführte.

Ob das Chaos aus parallelen Welten, Wahnsinn, Träumen und Albträumen jedoch Erfolg bei dem eher konservativen spanischen Publikum des Teatro Reals haben wird, bleibt abzuwarten. Mortier, der 2013 für die Mozart-Oper "Cosi fan tutte" den österreichischen Regisseur Michael Haneke beauftragte, geriet wegen seiner teils ungewöhnlichen Spielpläne auch in Madrid immer wieder in die Kritik.

Als künstlerischer Leiter wollte er das international wenig bedeutende Teatro Real an die europäische Opernspitze führen. Seinen Ambitionen kamen jedoch schon bald die Wirtschaftskrise und der Sparzwang in die Quere. Der bereits schwerkranke Mortier bestand unter Rücktrittsdrohung letztlich darauf, bei der Auswahl seines Nachfolgers im Amt des künstlerischen Direktors mitzureden - die Verantwortlichen setzten ihn trotz laufenden Vertrags jedoch ab. Letztlich arrangierte man sich, und Mortier diente dem Haus und dessen neuem, bis heute amtierenden Direktor Joan Matabosch, bis zu seinem Tod als Berater.

(APA)

Aufgerufen am 25.11.2017 um 12:01 auf https://www.sn.at/kultur/madrider-oper-feiert-letzte-hommage-an-gerard-mortier-74947

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