Kultur

Markus Prachensky-Hommage in der Albertina

"California Miles" heißt eine Werkgruppe, "Swing de Provence" eine andere. Markus Prachensky vermerkte in den Titeln gerne den Ort sowie die Musik, die seine Arbeit inspirierten. Die Hommage, mit der man in der Albertina ab Mittwoch einen lebenslangen Schaffensprozess nachzeichnet, liest sich wie eine zur knallroten Geste gewordene Biografie.

Prachensky wäre heuer 85 Jahre alt geworden.  SN/APA/HBF/DRAGAN TATIC
Prachensky wäre heuer 85 Jahre alt geworden.

Anlass der Ausstellung war nicht zuletzt eine großzügige Schenkung an das Museum durch die Künstlerwitwe Brigitte Prachensky. "Sie hat nicht einige Werke geschenkt, sondern einige der seltensten, größten, frühesten und wichtigsten Werke", schwärmte Direktor Klaus Albrecht Schröder. Brigitte Prachensky gab den Dank zurück. "In der Albertina vertreten zu sein, ist auch für den Künstler das Schönste - ich hoffe, er kriegt es irgendwie mit."

An der langen Zeitspanne, die Kuratorin Antonia Hoerschelmann in der Ausstellung abdeckt, verblüfft vor allem die beständige Weiterentwicklung einer höchst homogenen Gesten-Sprache. Für den "durch den Geist der Architektur zum Künstler gewordenen" Prachensky, wie Schröder erklärte, blieb der Gegenstand stets Thema und Antrieb seiner mehr und mehr rasch und gestisch verfahrenden Malweise. Der Gegenstand in der Landschaft, die oft eine architektonische war. Skizzen fertigte er nicht an, trug den Eindruck mit sich ins Atelier, führte zunächst eine Zeichnung, dann das Gemälde aus und ließ sich bei einer Werkgruppe stets von derselben Musik begleiten.

Für jedes Jahrzehnt hat man stellvertretend eine Werkgruppe herausgegriffen. Unverkennbar und über Jahrzehnte beständig ist die Aufladung seiner kraftvollen roten - mitunter schwarzen - Pinselstriche mit unbändiger, dem visuellen Eindruck seines Gegenstands abgetrotzter Energie. Zu den untypischsten Arbeiten zählen zwei der nun geschenkten Werke: eine großformatige dunkel-geometrische Studie aus 1954/55 sowie ein von der amerikanischen Pop Art beeinflusstes "Red on white - Los Angeles I" aus 1969. Gleichzeitig lässt sich die Arbeitsweise Prachenskys gerade an diesen Arbeiten nachvollziehen: wie sie in der strengen, an architektonische Pläne erinnernden Formenfindung für den Gegenstand fußt und sich von dort in die dynamische Abstraktion aufschwingt.

Der 2011 verstorbene Prachensky zählte zu den wichtigsten Proponenten der österreichischen Nachkriegsmalerei, der die Gruppe der Künstler rund um die Galerie Nächst St. Stephan und Otto Mauer sowohl entscheidend beeinflusste als auch zielgerichtet überschritt. Neben der Schenkung hat die Ausstellung auch einen weiteren Anlass: Am 21. März wäre Prachensky 85 Jahre alt geworden.

Quelle: APA

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