Kultur

Ministerium weist UNESCO auf Heumarkt-Redimensionierung hin

Infolge der Neugestaltung des Heumarkt-Areals droht die UNESCO seit geraumer Zeit mit der Aberkennung des Weltkulturerbes für die Wiener Innenstadt. In der geforderten Stellungnahme an die UNESCO weist das zuständige Kulturministerium nun noch einmal darauf hin, dass das umstrittene Projekt inzwischen redimensioniert worden sei und außerdem das Hochhauskonzept generell überarbeitet werde.

Besonders der Hochhausturm ist der UNESCO ein Dorn im Auge.  SN/APA (ISAY WEINFELD&SEBASTIAN MUR
Besonders der Hochhausturm ist der UNESCO ein Dorn im Auge.

Der UNESCO ist bekanntlich die Umgestaltung der Fläche zwischen Konzerthaus und Hotel Intercontinental seit längerem ein Dorn im Auge. Besonders der geplante Wohnturm sorgte für Unmut bei Vertretern der Organisation. Sie drohten mit Konsequenzen für den Weltkulturerbestatus für das historische Zentrum Wiens. Die Stadt unterzog das Projekt daraufhin einer Überarbeitung mit dem - im Dezember 2016 öffentlich präsentierten - Ergebnis, dass das Vorhaben kleiner ausfallen wird als ursprünglich gedacht.

Das Kulturministerium verweist in seiner auf Englisch gehaltenen Stellungnahme, die im Namen der Republik Österreich an den UNESCO-Hauptsitz in Paris adressiert ist und die nun von der UNESCO selbst online gestellt wurde, gewissermaßen noch einmal offiziell auf diese Redimensionierung. Vor allem die Reduktion der Turmhöhe auf 66 Meter sei mit dem Ziel erfolgt, das Hochhaus harmonischer in das umliegende Stadtbild zu integrieren. Damit habe man auf Befürchtungen der UNESCO reagiert, das Heumarkt-Projekt wirke sich negativ auf die "visuelle Integrität" der Innenstadt aus.

In der Stellungnahme wird bei der Gelegenheit auch auf den naheliegenden Bahnhofs- und Shoppingkomplex Wien-Mitte verwiesen, über das damals ebenfalls heftig in Bezug auf das Welterbe diskutiert wurde. Infolge der Verkleinerung falle der Heumarkt-Turm deutlich niedriger aus als der 75 Meter hohe Wien-Mitte-Bau, der allerdings von der UNESCO bzw. deren Beratungsgremium ICOMOS sehr wohl akzeptiert worden sei, vergisst das Ministerium nicht zu betonen.

Weiters wird die UNESCO auch über die bereits bekannten Pläne der Stadt informiert, das sogenannte Hochhauskonzept generell zu überarbeiten. Darunter fällt auch der "Masterplan Glacis", also die Zone rund um die Innenstadt. Es werde etwa analysiert, welche Sichtachsen besondere Bedeutung für das Stadtbild hätten und insofern schützenswürdig seien.

Das Schreiben dient als Basis für die Entscheidung über eine mögliche Eintragung des Historischen Zentrums von Wien in die Rote Liste des gefährdeten Welterbes. Darüber befindet das Welterbekomitee, das im Juli 2017 in Krakau tagt. Vertreter von UNESCO als auch ICOMOS haben sich bereits mehrmals ablehnend gegenüber dem geänderten Entwurf der Stadt geäußert, da der Höhenvorgabe der UNESCO nicht entsprochen worden sei.

(APA)

Aufgerufen am 25.11.2017 um 12:24 auf https://www.sn.at/kultur/ministerium-weist-unesco-auf-heumarkt-redimensionierung-hin-74911

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