Kultur

Mit Schmunzeln durch 175 Jahre Musik

 SN/wiener philharmoniker

Dass er lustig plaudern kann und den gewissen "Schmäh" hat, zeigt Christoph Wagner-Trenkwitz alljährlich als Opernball-Kommentator an der Seite von Lästerkollegen Karl Hohenlohe, was ihn weitum bekannt gemacht hat. Als Direktoriumsmitglied der Wiener Volksoper hat er schon manch verstaubter Operette sprachlich auf die Beine geholfen, und als Autor und Koautor zahlreicher Bücher verewigte er viele Geschichten aus dem Theaterbetrieb, die sonst in Vergessenheit geraten wären.

Seit einem Jahr feiern die Wiener Philharmoniker ihren 175. Geburtstag, und kurz vor Ablauf dieses Jubiläumsjahres hat sich Christoph Wagner-Trenkwitz mit einem Buch als Gratulant eingestellt. Zwar existieren schon Standardwerke zur Geschichte des Traditionsorchesters und Wagner-Trenkwitz gibt zu, dass er es gar nicht mit "Demokratie der Könige" von Clemens Hellsberg (1992) oder der Orchestergeschichte von Christian Merlin, die heuer erschienen ist, aufnehmen will. Er tut, was er am besten kann: Der Autor sammelte und erzählt Geschichten, Geschichtchen und lustige Anekdoten, was die Lektüre zu einem Vergnügen macht. Dafür greift er auf das Archiv zurück und auf historische Überlieferungen, aber er zieht auch Orchestermusiker als Zeitzeugen bei.

Der Spaß an der Freude schmälert den Erkenntniswert keineswegs, denn Christoph Wagner-Trenkwitz schreibt auch über Ernsthaftes und mitunter Tragisches. Die verdüsterte Geschichte des Orchesters, das sich während der Nazizeit nicht mit moralischem Ruhm bekleckerte, wird offen angesprochen, diesbezüglich ist aber Wagner-Trenkwitz ohnehin nicht der erste Autor. Man erfährt, wie ein Musiker - oder eine Musikerin - überhaupt zum Wiener Philharmoniker wird, man lernt auch, was den berühmten Wiener Klang ausmacht, etwa bei den Fagotten oder Hörnern. Und auch, welch wichtige Rolle bei der Klangkultur der Dienst im Graben der Wiener Staatsoper spielt. Persönliche Erinnerungen einzelner Orchestermusiker lassen auch manch köstliche Beobachtung zu, was das Wirken der vom Kollektiv eingeladenen Dirigenten betrifft.

"Das vorliegende Büchlein sollte ein knapper, pointierter Führer zum 175-Jahr-Jubiläum für ,Einsteiger' werden", schreibt Wagner-Trenkwitz im Vorwort und trifft damit exakt den Befund, der sich aufdrängt, wenn man das Buch mit Schmunzeln beiseitelegt.

Als Christoph Wagner-Trenkwitz kürzlich sein Werk im Haus der Musik erstmals präsentierte, war sogar Heinz Fischer, Bundespräsident i. R., als Ehrengast und Laudator dabei. Eine "charmante, flüssige Feder" habe Wagner-Trenkwitz, attestierte Heinz Fischer dem Autor, das kann man gerne so stehen lassen.

Buch:Christoph Wagner-Trenkwitz: "Das Orchester, das niemals schläft - Die Wiener Philharmoniker", 216 S., Amalthea Verlag, Wien, 2017.

Quelle: SN

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