Kultur

Mozartwoche: Erfolgreiche Uraufführung von "Ennui"

Langeweile kann unglaublich unterhaltend sein. Das bewiesen die Musicbanda Franui und Peter Simonischek am Freitagabend bei der Mozartwoche. Markus Kraler und Andreas Schett haben Stücke und Einflüsse von Mozart, Satie und andern genommen, mit Texten über Langeweile gemischt und daraus "Ennui" geschaffen. Musik zwischen Witz und Ernst.

Peter Simonischek (Archivbild). SN/AFP
Peter Simonischek (Archivbild).

Simonischek ist seit der Oscar-Nominierung von "Toni Erdmann" wieder in aller Munde. Doch an diesem Abend bewies er, was er fernab von Hollywood ist: ein genialer Schauspieler. Seine Texte sind über die Musik verstreut, dazwischen gesetzt und kommentierend. Er begann den Abend relativ ernst und taute dann im Laufe der Zeit immer weiter auf. Die Texte stammten von verschiedensten Autoren. Klassiker wie Büchner, Jandl oder Schopenhauer waren darunter, aber auch Komponisten wie John Cage kamen zu Wort. Kraler und Schett haben alles gewählt, was das Thema Langeweile in unterhaltender Weise beschreibt. Simonischek las, mal erheitert, mal nachdenklich in Mitten der Musiker.

Musikalisch lässt sich "Ennui" schwer beschreiben. Es sind verschiedenste Einflüsse, die die Musicbanda aufgreift und ausarbeitet. Es werden zwar Werkangaben im Programmheft gemacht, allerdings werden sie auch als "Musikalische Inseln und Einwürfe" bezeichnet. Und tatsächlich, man hört immer wieder bekannte Klänge, doch nie wirkliche Zitate. Franui sind für ihre Verbundenheit zur Musik Franz Schuberts bekannt. Doch für diese Mozartwoche wurden sie um eine Annäherung an Mozart gebeten. Der taucht auch immer wieder auf, klingt jedoch im Endeffekt so, als wäre er zuerst in einem Jazzkeller gelandet und dann mit dem Zirkus durchgebrannt.

Immer wieder tauchten besondere Momente auf. Zum Beispiel beim "Lied von denen die alles schon wissen" von Hans Magnus Enzensberger. Simonischek und die Musiker bildeten einen Sprechchor, der sich zur Musik immer weiter hochschaukelte. Die Arrangements sind ausgeklügelt, einmal kommentierte die Musik Simonischeks Vortrag, im nächsten Moment war es umgekehrt, dann erzählten die Melodien, um darauf zu verstummen.

Die Kulisse wurde in verschiedenen Einstellungen und Farben beleuchtet. Dazwischen standen einzelne Plexiglas-Würfel, in denen sich Watte befand (Martin Gostner). Ihre Bedeutung wurde nicht ganz klar, doch das wurde sie auch bei manch einem Text nicht. Für einen Abend, der dem Thema Langeweile gewidmet war, wurde man eineinhalb Stunden relativ kurzweilig unterhalten. Großer Applaus dafür, es darf bei der Mozartwoche auch einmal lustig zugehen.

Quelle: APA

Aufgerufen am 21.09.2018 um 12:15 auf https://www.sn.at/kultur/mozartwoche-erfolgreiche-urauffuehrung-von-ennui-487615

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