Kultur

Museum Gugging präsentiert Johann Garber und Karl Vondal

Im Juli haben Johann Garber und Karl Vondal Werkstätten im Museum Gugging in Klosterneuburg bezogen. Dem Work in progress folgt eine Ausstellung, die jüngst entstandene Arbeiten präsentiert und zugleich einen Überblick über das Oeuvre der beiden Gugginger Künstler gibt. "johann garber.! bastler und meistermaler" und "karl vondal.! erotisches" ist von Donnerstag bis zum 7. Jänner 2018 zu sehen.

Kurator Johann Feilacher hat das Format entwickelt. Er sprach bei einer Presseführung am Mittwoch vor der Eröffnung am Abend von einem Experiment: Zwar gibt es im Haus ein Atelier, aber mitten im Museum künstlerisch tätig zu werden und sich dabei vom Publikum über die Schulter schauen zu lassen war neu. Vondal, der sich auch gern fotografieren lasse, war meist da, und dabei seien "sehr schöne Werke" entstanden. Garber ließ sich seltener blicken, erzählte der Psychiater im mit unzähligen Exponaten bestückten "Garber Salon" des 2006 eröffneten Museums. Die Retrospektive umfasst rund 80 Werke von Garber und knapp die Hälfte von Vondal. Die Schau wird von einem 174 Seiten starken Katalog mit zahlreichen Bildern und Beiträgen von Nina Ansperger, Maria Höger und Feilacher begleitet, der zwei Vorderseiten - für jeden Künstler eine - hat und von vorne und hinten gelesen werden kann.

Garber, der am 12. August 70 wurde, gehört seit vier Jahrzehnten zu den der Art Brut zugerechneten Gugginger Künstlern und wohnt seit Beginn im 1981 vom Psychiater Leo Navratil gegründeten "Haus der Künstler". Erste Zeichnungen sind aus 1977 dokumentiert. Große Teile des Gebäudes und u.a. auch den Lichthof des Museums hat er mit knalligen Farben bemalt und auch das überdimensionale Ohr für das ORF-Funkhaus in Wien gestaltet. Konträr zu diesen großflächig farbigen Arbeiten fertigt er auch feine, sehr detaillierte Tuschezeichnungen an und zeichnet mit Blei- und Farbstiften.

Am Gang zu den Schauräumen dokumentieren Fotografien aus den vergangenen sechs Wochen die Künstler an ihren Werkbänken, gefolgt von einem an die Wand gemalten "Selbstporträt" Garbers. Zu sehen sind auch gebastelte und bunt bemalte Objekte wie u.a. "Krickerl" (Rehgeweihe) und Schneckenhäuser - Höger verwies auf Garbers tiefe Naturverbundenheit -, ein Autoreifen, ein Besen oder Spielzeugrevolver. "Die Welt ist angenehm, und spürbar, die schöne Welt, ist = zum Greifen nah, =", lautet ein Zitat aus 1991. Und so gibt es keinen Stillstand in Garbers Werk, alles ist belebt, der Blick seelenvergnügt.

Vondals (Jahrgang 1953) Hauptthema ist die Erotik, die er "wie ein Regisseur inszeniert", erläuterte Ansperger. Die sich liebenden Paare sind collageartig im paradiesischen Umfeld eingebettet - auf Inseln, unter Palmen -, aber auch im häuslichen Schlafzimmer, während der Fernseher läuft. Brigitte Bardot, Sexsymbol seiner Jugend, ist als Powerfrau in Szene gesetzt. Vondal arbeitet prozessartig, er schneidet Motive aus und klebt sie wieder auf. Dazu fügt der Künstler Texte - erklärend, oft auch ganze Kurzgeschichten, in denen er seine Träume und Wünsche transportiert.

(S E R V I C E - Museum Gugging: "johann garber.! bastler und meistermaler" und "karl vondal.! erotisches", 17.9.-7.1.2018, Di-So 10.00-18.00, im Winter bis 17.00 Uhr, Am Campus 2, Maria Gugging in Klosterneuburg, Tel. 02243 87087-374, www.gugging.at)

Quelle: APA

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