Musik erleichtert den Jahreswechsel

Zu Jahreswechsel feiern wir gern, blicken zurück und machen gute Vorsätze. Warum ist für all dies Musik ein idealer Gefährte?

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Kunst & Kultur in Österreich und auf der ganzen Welt Hedwig Kainberger

An kaum zwei anderen Tagen des Jahres suchen und hören so viele Menschen so viel Musik wie zum Jahreswechsel - sei's in der Operette, für viele vorzugsweise "Die Fledermaus", in Silvesterkonzerten, bei Partys samt "Donau so blau, so blau" sowie in Neujahrskonzerten, die am 1. Jänner morgens wie abends gegeben werden. Dass letzter und erster Tag eines Jahres so musikgetränkt sind, ist kein Zufall.

Musik bietet einiges von dem, wonach wir uns zum Jahreswechsel sehnen, zum Beispiel Ordnung. Wenn wir auf ein Jahr zurückblicken, sortieren wir die Erinnerungen nach Wichtigkeit und Chronologie. Auch die Musik folgt mit Rhythmen und Intervallen einem Ordnungssinn. Und sie ordnet fein säuberlich, was sie zugleich aufrührt: die Gefühle. Denn sie kann direkt und tief berühren, ohne dass man dafür die Ratio bemühen müsste. Daher spricht Musik Kleinstkinder gleichermaßen an wie alte Menschen.

In dieser vom Verstand befreiten, zwecklosen Wirkungsmacht passt Musik ideal zum Feiern, das
ja auch ein zweckloses Beisammensein ist, bei dem nicht strategisch verhandelt, sondern gemütlich geplaudert wird. Weil Musik gute Stimmung erzeugt, wählen wir bei einer Silvesterparty nichts Besinn liches wie Weihnachtslieder, sondern erregen Heiterkeit, Champagnerlaune und Lust zum Tanzen.

Freilich kann man auch allein mit der Flöte trillern oder in die Klaviertasten greifen und wird sich danach fast immer zum Besseren verwandelt fühlen. Doch Musizieren wie Hören von Musik streben nach Mehrsamkeit. Denn eine Mehrzahl von Menschen, die dieselbe Musik hören, finden zu gemeinsamer Wellenlänge. Da kann ein angenehmes Gefühl der Zusammengehörigkeit entstehen. Daher übrigens lassen sich Konzerte - wo gemeinsam zugehört wird - auch als Keimzellen einer Demokratie verstehen.

Wer sich der Wirkungsmacht der Musik aussetzt, kann noch eine Erfahrung machen: Über Musik lassen sich Emotionen vorsätzlich beeinflussen - der Furchtsame pfeift sich ein Lied, der Traurige tröstet sich mit Bob Dylan, der Gelangweilte möbelt sich mit Beethoven oder Adele auf. Unsere Gefühle sind - wie folglich unsere Taten - also nicht achtlos herumgetrieben wie's Federl im Wind, sondern gestaltbar. In diesem Sinne passt Musik zu dem Wunsch, ein Jahr mit Vorsätzen zu beginnen.

Weil Musik uns innerlich ordnet und zugleich emotionell tief rührt, weil gute Musik zudem einem Fest Schwung wie Brillanz verleiht, tut sie uns gut - überhaupt und schon gar zum Jahreswechsel.

Aufgerufen am 11.12.2017 um 06:22 auf https://www.sn.at/kultur/musik-erleichtert-den-jahreswechsel-570811

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