Musik

Dieser Schöpfungsakt wirkt unangestrengt

Das Mozarteumorchester und der Salzburger Bachchor haben am Mittwochabend eine ungemein ausgewogene Interpretation der "Schöpfung" vorgelegt. Am Donnerstag und am Freitag ist Joseph Haydns großes Oratorium im Rahmen des Kulturvereinigung-Abo-Zyklus im Großen Festspielhaus zu erleben.

Bachchor-Leiter Alois Glaßner, Tenor Bernhard Berchtold, Dirigent Matthew Halls, Bariton Daniel Ochoa und Sopranistin Christina Gansch (von links) SN/salzburger kulturvereinigung/erika mayer
Bachchor-Leiter Alois Glaßner, Tenor Bernhard Berchtold, Dirigent Matthew Halls, Bariton Daniel Ochoa und Sopranistin Christina Gansch (von links)

Christina Gansch und Daniel Ochoa müssen herzhaft lachen - und Teile des Publikums schmunzeln wissend mit. "Und dir gehorchen bringt / Mir Freude, Glück und Ruhm", schmachtet die Sopranistin als Eva ihrem Adam entgegen. In Zeiten der #metoo-Debatte, die mittlerweile sogar Aufklärung über das Treiben in Österreichs Skikellern der 1970er Jahre bringt, wirkt diese Text-Passage in Joseph Haydns Oratorium "Die Schöpfung" noch anachronistischer als sonst. Haydns Zeitgenosse Wolfgang Amadé Mozart hat schon rund ein Jahrzehnt vor der Uraufführung 1799 in seinen Da-Ponte-Opern das Seelenleben von Mann und Frau tiefgründig ausgelotet.

Doch in der Partitur dieses geistreichen Meisterwerks finden sich genügend hintergründig kommentierende Details zur Idylle der frisch Verliebten im Paradies. Ohnehin hat sich Haydn zu einer Fülle von bildlichen musikalischen Beschreibungen zur Entstehung der Welt inspirieren lassen - ob es nun die vieltönenden Geschöpfe aller Art sind oder - gleich zu Beginn - das Chaos. Dieser Prolog zählt nach wie vor zu den faszinierendsten und kühnsten musikalischen Momenten der Vormoderne.

Gründe gibt es jedenfalls genug, in die Klangwelt der "Schöpfung" immer wieder einzutauchen. In den fünf Jahren der Intendanz von Alexander Pereira eröffnete Haydns Oratorium jeden Festspielsommer. Größen wie Nikolaus Harnoncourt oder John Eliot Gardiner gaben mit ihren Originalklang-Ensembles erhellende Einblicke in die Kontraste, Reibungen und Mikro-Strukturen dieses Werks.

Dirigent Matthew Halls, der die drei Aufführungen der "Schöpfung" im Abo-Zyklus der Salzburger Kulturvereinigung leitet, wählt den Zugang der symphonischen Klangfülle. Geradezu Beethovensche Dimensionen erreicht der Gesamtklang im Großen Festspielhaus, wenn es darauf ankommt. Das Mozarteumorchester ist jedoch spätestens seit der Ära von Ivor Bolton bestens darauf konditioniert, auch in großer Besetzung einen herrlich schlanken, durchhörbaren Haydn-Klang herzustellen. Das eröffnet dem Salzburger Bachchor die Gelegenheit, fein abgestufte Dynamik aus der Tiefe des Raums zu entwickeln. Solcherart Ausgewogenheit von Orchester- und Chorklang lässt wenig zu wünschen übrig, zumal der mitunter etwas spannungsarme Eindruck am Ende des ersten Konzertteils nach der Pause einer deutlich konturenreicheren Performance weicht.

Auch das Solistentrio fügt sich wunderbar in diesen homogenen Gesamteindruck: Sopranistin Christina Gansch, Tenor Bernhard Berchtold und Bariton Daniel Ochoa sind allesamt ausgesprochen lyrische Vertreter ihres Fachs. Die helle Tönung der Sopranstimme, auch Ganschs zartes Legato ist ein Ereignis, das sich bei Kennern mittlerweile herumgesprochen hat. Überraschender war die Leistung von Ochoa, der für Matthias Winckhler eingesprungen ist: Seine wandlungsreiche Baritonstimme mag in den tiefen Bass-Regionen den nötigen Nachdruck vermissen lassen, in den berührenden Duetten mit Gansch bringt er seine ungemein flexible, elegante Höhe zur Entfaltung. Mezzosopranistin Reba Evans komplettiert im Schlusschor ein feingliedriges Solistenquartett, das diesem angenehm unangestrengt wirkenden Schöpfungsakt den Stempel aufdrückt.

Konzert: "Die Schöpfung", Oratorium von Joseph Haydn. Zyklus der Salzburger Kulturvereinigung. Mozarteumorchester Salzburg, Salzburger Bachchor. Dirigent: Matthew Halls. Weitere Aufführungen: 12. und 13. April, jeweils 19.30 Uhr, Großes Festspielhaus.

KULTUR-NEWSLETTER

Jetzt anmelden und wöchentlich die wichtigsten Kulturmeldungen kompakt per E-Mail erhalten.

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 05.07.2022 um 09:33 auf https://www.sn.at/kultur/musik/dieser-schoepfungsakt-wirkt-unangestrengt-26580349

Public Viewing in Salzburg zur Fußball-EM der Frauen

Public Viewing in Salzburg zur Fußball-EM der Frauen

Am Mittwoch startet die UEFA-Fußball-Europameisterschaft der Frauen in England. Das Frauenbüro der Stadt überträgt aus diesem Anlass alle Spiele der Österreicherinnen in der academy Bar in der Franz-Josef-…

Kommentare

Schlagzeilen