Musik

Dr. John gestorben: Ein Mann, der klang wie New Orleans

Dr. John. Sänger und Pianist, mischte wie kein anderer Rock, Blues, Jazz und Voodoo-Mystik zu einem exotischen Eintopf.

Dr. John starb 77-jährig. SN/APA (epa)/JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Dr. John starb 77-jährig.

Dass Dr. John in New Orleans geboren wurde, ist - wie jeder Geburtsort - rein zufällig. Dass Dr. John - wie wenige andere - über Jahrzehnte den Geist und die Geister dieser Stadt in seiner Musik und seinem Leben trug, ist dann simpel nachzuvollziehen und jedenfalls ein glücklicher Zufall. In New Orleans fließen Kulturen zusammen. Die Stadt ist ein klingender Schmelztiegel. Und Malcolm John Rebennack, wie Dr. John bürgerlich hieß, verkörperte die Leidenschaft und die Mischung seiner Heimatstadt bis zuletzt auf der Bühne. Am Donnerstag trat er im Alter von 77 Jahren ab. Er erlag einem Herzinfarkt.

Dr. John, der sich seinen Künstlernamen von einem Voodoo-Priester geliehen hatte und oft gekleidet war wie solcher, verband Blues, Rock 'n' Roll und Jazz. Sein Leben jenseits der Bühne zwischen Kleinkriminalität und Knast zur Jugendzeit und spätere Drogenabhängigkeit war turbulent wie manche seiner Klangmischungen.

Zunächst spielte er Gitarre. Er verlor aber bei einer Schießerei seinen linken Ringfinger und wurde deshalb berühmt am Klavier. An den Tasten stand er an Eindringlichkeit seinem Vorbild Professor Longhair oder auch Fats Domino, beide ebenfalls aus New Orleans, um nichts nach.

Dutzende Alben nahm er auf. Sein größter eigener Hit gelang ihm mit "Right Place, Wrong Time". Er bekam im Lauf der Jahre sechs Grammys. Bevor er Ende der 1960er-Jahre aber mit dem Solodebüt "Gris-Gris" selbst ins Rampenlicht getreten war, schärfte er seinen eigenen Sound durch die Mitarbeit an unzähligen Produktionen als Studiomusiker. Zu den Stars, die auf seine Energie setzen gehörten Frank Zappa, die Rolling Stones oder auch Aretha Franklin.

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