Musik

Drei Landesmuseen wachsen in den Himmel

Die Landesmuseen in Wien, Tirol und Salzburg realisieren epochale Ausbauten.

Innenhof der Neuen Residenz, in der das Salzburg Museum ist. SN/salzburg museum/andreas hechenbergerwild & team
Innenhof der Neuen Residenz, in der das Salzburg Museum ist.

Drei österreichische Landesmuseen wachsen insofern in den Himmel, als sie über Aus- und Umbauten in Ausmaß, Inhalt und Vermittlung neue Dimensionen erreichen. Die Investitionen enthüllen Größenordnungen: Das Salzburg Museum wird bis 2026 um knapp 40 Millionen Euro den zweiten Hof der Neuen Residenz erschließen, damit dort die Dependance des Wiener Belvedere einziehen kann. Weiters wird die Orangerie im Mirabellgarten für Panoramamuseum samt Welterbezentrum adaptiert und in Hellbrunn wird ein Sound-of-Music-Museum eingerichtet.

Das Tiroler Landesmuseum wird bis 2023 das Zeughaus neu gestalten, um die Geschichte Tirols frisch zu erzählen; bis 2025 wird um 36 Millionen Euro das Haupthaus an der Museumsstraße inwendig erneuert. Dafür dürften die Bagger nächstes Jahr auffahren.

Das Wien Museum baut sein seit Februar 2019 geschlossenes Haupthaus am Karlsplatz bis Ende 2022 um und aus, um es danach komplett neu einzurichten. 108 Mill. Euro sind dafür budgetiert. Die Eröffnung zeichnet sich Ende 2023 ab.

Diese drei Landesmuseen mit immensen kunst- wie kulturhistorischen Sammlungen folgen damit den Niederösterreichern, die mit einem 2019 eröffneten Neubau um 35 Millionen Euro für die Landesgalerie in Krems ihre museale Infrastruktur geboostert haben.

Für das Salzburg Museum seien bei der zweistufigen Suche nach Architekten im Herbst 2021 sechzehn Teams ausgewählt worden, die nun Entwürfe konkretisieren, berichtet Direktor Martin Hochleitner am Donnerstag im Pressegespräch. Mitte April werde eine Jury einen Siegerentwurf küren. "Das wird ein Meilenstein." Mit dem 2023 beginnenden Bau werde die Neue Residenz bis 2026 in ein "hochattraktives Museumsareal" verwandelt. Die Erweiterung um die Trakte rund um den zweiten Hof wird vor allem für die neue Niederlassung des Belvedere in Salzburg genützt. Neben Schloss Ambras in Innsbruck, das zum Kunsthistorischen Museum gehört, wird dies die österreichweit zweite Außenstelle eines Bundesmuseums. Die Innenhöfe der Neuen Residenz sollen neuartige Stadträume werden.

Neue Ansätze der Ausstellungspolitik werden bereits deutlich: Die Säulenhalle, bisher Ausstellungsraum, werde für Vermittlungsprogramme eingerichtet, kündigt Martin Hochleitner an. Das Kuratieren von Ausstellungen und das Vermitteln ans Publikum würden mehr denn je verschränkt. Während üblicherweise zwischen Dauer- und Sonderausstellung unterschieden wird, führt das Salzburg Museum die "Semi-Dauerausstellung" ein. Damit wird das zur Normalität, was in Vorjahren mit Verlängerungen praktiziert worden ist: mittelgroße Ausstellungen mit etwa dreijähriger Laufzeit. Dafür wird im Februar im ersten Stock die Ausstellung "Salzburg einzigartig" eröffnet: Mit 200 Objekten der Sammlung wird geschildert, was an Salzburg unverwechselbar ist. Dies ergänzt die unbefristete Dauerausstellung "Mythos Salzburg" im zweiten Stock. Das Untergeschoß bleibt mehrmonatigen Sonderausstellungen vorbehalten - derzeit über Alfred Haberpointner, ab April über Salzburger Kaffeehauskultur und ab Ende September über die Geschichte von Spielzeug. Zudem wird heuer 100 Jahre Museumsverein gefeiert.

Übrigens: In der Landesausstellung "Weltbühne" zu 100 Jahren Salzburger Festspiele wurden von 26. Juli 2020 bis 31. Oktober 2021 knapp 50.000 Besucher gezählt - weit weg von einem Rekordverdacht, allerdings: Die Ausstellung fiel in zwei Sommer der Pandemie.

Neben dem Ausbau der Neuen Residenz, für den 31 Mill. Euro budgetiert sind, wird das Salzburg Museum drei neue Zweigstellen einrichten. Das einstige Barockmuseum am Mirabellgarten heißt künftig "Orangerie Salzburg". Dort werden 5,5 Mill. Euro investiert, um das Panoramagemälde Johann Michael Sattlers samt Kosmoramen zu zeigen. Weiters wird dort ein Welterbezentrum eingerichtet.

Etwa 2,5 Mill. Euro sind vorgesehen, um die Pförtnerhäuser am Eingang zu Schloss Hellbrunn in ein Sound-of-Music-Museum zu verwandeln. Die bauphysikalische Untersuchung sei abgeschlossen, die Wegeführung sei geplant, berichtet Martin Hochleitner. Seit Herbst würden die Rechte für Exponate vertraglich fixiert.

Die dritte Neuerung wird ein Museum über Salzburg zur Römerzeit, wofür Martin Hochleitner zufolge knapp sieben Mill. Euro kalkuliert sind. Dieses werde im Zuge des Neubaus von Eingang und Besucherzentrum fürs Domquartier im Keller der Alten Residenz geschaffen und unterirdisch mit dem Domgrabungsmuseum verbunden. Der Zeitplan dafür steht noch nicht fest.

Während das Wien Museum Details des Neubaus Ende nächster Woche bekannt geben wird, hat das Tiroler Landesmuseum am Donnerstag neben seinem Programm für 2022 mit 21 Ausstellungen und Projekten - von einer Maria-Lassnig-Schau bis zur Volksmusik-Ausstellung "Wir Tiroler sind lustig!" - auch über Bauvorhaben berichtet. Das Zeughaus, einst Waffenarsenal von Kaiser Maximilian I., wird baulich adaptiert. Dann werde dort in einem neuen musealen Parcours die Geschichte Tirols erzählt, berichtet Direktor Peter Assmann. Dies solle Anfang 2023 eröffnet werden, um die Feiern zum 200-Jahr-Jubiläum des Ferdinadeums einzuleiten.

Das Haupthaus werde bis 2025 so erneuert, dass das Erdgeschoß "als offener Eingangsbereich" vor allem für Empfang, Café, Vermittlung, Veranstaltungen und Bibliothek vorbehalten sein wird. Um das Museum als Ort der Begegnung zu forcieren, wird dem 1845 eröffneten Gebäude sogar für Veranstaltungen ein neues Stockwerk aufgesetzt.

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