Musik

Funky mit 82: Klaus Doldinger im Festspielhaus St. Pölten

Legenden bei Lebzeiten sind rar. Der deutsche Saxofonist und Komponist Klaus Doldinger ist wohl eine solche. Am Freitagabend gab der inzwischen 82-jährige Musiker im Festspielhaus St. Pölten ein Konzert mit seiner Gruppe Passport und ließ es ordentlich krachen. Hut ab: So funky wollen wir alle in diesem Alter noch drauf sein.

Jazzmusiker Klaus Doldinger SN/APA (dpa/Archiv)/Maja Hitij
Jazzmusiker Klaus Doldinger

Ein soigniert wirkender, bebrillter älterer Herr in Anzug und Krawatte steht da auf der Bühne, umgeben von seiner sich redlich abstrudelnden Band, legt seine Soli äußerst souverän hin, lässt sich auf kleine Duette ein und verschwindet zwischendurch im Bühnenhintergrund. Zwischen den Nummern plaudert er freundlich mit dem Publikum, als säße er in einer Talkshow, erzählt Anekdötchen aus den ganz frühen Zeiten und übt gepflegtes Namedropping. Fatty George, Joe Zawinul, Roland Kovac - mit ihnen allen hat er zusammengespielt. Unter vielen anderen. Ein Großer unter Großen, raffinierter Soundzauberer, Protagonist der deutschen Jazzszene und Zeremonienmeister des Jazzrock.

Dementsprechend wird mit "Abracadabra" aus dem Jahr 1973 begonnen. "Seven to Four" feiert den Siebenviertel-Takt ab, "Ovation" und viele weitere Stücke folgen. Das Rezept ist meist ähnlich: markanter Einstieg, relativ gleichförmiges Powerplay, Reprise. Gelegentlich sophisticated Easy Listening. Es wummert und groovt der Bass (Patrick Scales steuert ein grandioses Slap-Solo bei), es fetzt die Gitarre (Alexander Jung), die Rhythmus-Sektion - Ernst Ströer, Biboul Darouiche und Christian Lettner - sorgt für drängenden Dauerdruck, Michael Hornek an den Keyboards grundiert und sekundiert virtuos. Eine hochprofessionelle Partie ist da am Werk. Doldinger bedankt sich immer wieder, weiß die Leistung seiner Mitwirkenden zu schätzen.

Und dann der opulente Soundtrack zum Film "Das Boot" nach dem Roman von Lothar-Günther Buchheim, den Doldinger natürlich ebenfalls kennengelernt hat: "Ein toller Typ, ein großartiger Mensch" sei das gewesen. Später noch der Griff zur Flöte und ein arabisch anmutendes Intro, bei dem jederzeit Stings "Desert Rose" einsetzen könnte, das aber in die üblichen Fahrwässer mündet.

"Jaja, so war das", sagt der Meister nach dem offiziellen Teil sichtlich zufrieden. Doch das war es noch lange nicht. Unter den Zugaben: eine aufgemotzte Version der "Tatort"-Kennmelodie. Doldinger hat sie vor Jahrzehnten komponiert. Sie läuft noch heute, unermüdlich wie ihr Schöpfer, dessen schier ungebrochene Vitalität selbst den oropax-behängten Zuhörern jeglichen Respekt abringt.

Quelle: APA

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