Musik

Grammys: Die Frauen, das Übliche und Politik

Grammy-Verleihung war eher Kammermusik als Stadionrock. Viele Preise gingen an Frauen. Beyoncé ist nun Rekordgewinnerin.

Bizarrer Auftritt: Grammy-Preisträgerin Billie Eilish. SN/ap/invision/jordan strauss
Bizarrer Auftritt: Grammy-Preisträgerin Billie Eilish.


Ringo Starr sagte es ungefähr so: Wer Musik mache in so einer Welt, in der es neuerdings hauptsächlich ums Rein- und Rauszoomen gehe, habe ohnehin schon gewonnen. Es war eine der Beschwörungen der Macht und Kraft der Musik, wie sie beim Grammy, der Feierstunde der US-Musikindustrie, gern und routiniert abgegeben werden. In diesem Jahr klang vieles etwa dringlicher - und manches auch nachdenklicher, wenn man schon wie ein Moderator einmal raus aus dem Wohnzimmer kommt. Man kann über die Qualität der ausgezeichneten Songs immer streiten, keine Diskussion kann es heuer aber darüber geben, dass die Grammy-Verleihung politischer war denn je.


Musik als Hoffnung

Aber auch wenn laut Ringo Starr alle, die musizieren, Sieger sind, muss es freilich auch einen ausgezeichneten Sieger geben. Also übergab Ringo - der, wie er sagte, schon ein paar Mal "mit dieser anderen Band" hier war (und mit dieser anderen Band, den Beatles, neun Grammys gewonnen hat) - den Grammy für "Record of the Year" an Billie Eilish, die junge Heldin einer Teenage-Angst-Schmerzens-Lyrik. Es war der letzte und durchaus logische Akt dieser Grammy-Nacht.

Familienangelegenheit: Finneas Baird O’Connell und seine Schwester Billie Eilish räumten bei der Grammy-Verleihung ab. SN/afp/the recording academy/kevin mazur
Familienangelegenheit: Finneas Baird O’Connell und seine Schwester Billie Eilish räumten bei der Grammy-Verleihung ab.


Raus aus dem Lockdown

Die Preise wurden in einem schwierigen Jahr zwischen Lockdown und Impfhoffnung recht ausgewogen verliehen - vor allem unter den weiblichen Nominierten. Kurz vor Eilish bekam Taylor Swift den Preis für "Album of the Year". Und ein paar Minuten vor Swift war Beyoncé für "Best R&B Performance" geehrt worden. Megan Thee Stallion wurde als beste neue Künstlerin ausgezeichnet. Song des Jahres wurde "I Can't Breathe" von H.E.R., die den gewaltsamen, von weißen Polizisten herbeigeführten Tod von George Floyd aufgreift - womit neben der Frage nach Gendergerechtigkeit auch die "Black Lives Matter"-Bewegung bei den Musikpreisen zu ihrem Recht kam.


Statement für "Black Lives Matter"

Dazu passte auch das Statement von Beyoncé, der "Queen B." der Popwelt, nachdem sie für "Black Parade" ausgezeichnet worden war. In dem Lied gehe es um Stärke und Stolz der schwarzen Community. Es sei eine so schwierige Zeit. Deswegen habe sie all die "schwarzen Königinnen und Könige erheben, ermutigen, feiern" wollen, die sie inspirierten.


Billie Eilish, Taylor Swift, Beyoncé - damit bekamen drei der einflussreichsten, vor allem aber kommerziell erfolgreichsten Popkünstlerinnen der vergangenen Jahre wichtige Preise. Dazu kommt noch der Erfolg von Fiona Apple in zwei Rockkategorien. Selbst die gute, unverwüstliche Country-Päpstin Dolly Parton wurde geehrt - als Partnerin von Zach Williams für den Song "Jesus Was Here" für "Best Contemporary Christian Music Performance/Song".

Erfolg mit Anti-Rassismus-Song: H.E.R. SN/afp/the recording academy/kevin mazur
Erfolg mit Anti-Rassismus-Song: H.E.R.


"Queen B." mit Rekord

Beyoncé stand am Ende des Abends mit vier Preisen da. Und damit als neue Rekordhalterin. Sie hat mittlerweile insgesamt 28 Grammys daheim. Sie überholte damit Country- und Bluegrass-Heldin Alison Krauss, die 27 Trophäen besitzt. Rekordhalter bei den Auszeichnungen ist jedoch noch ein Mann und zwar Dirigent Sir Georg Solti, der bisher 31 Mal den Preis bekam.
Wegen Corona fehlte der übliche überbordende Liveshow-Charakter. Die Verleihung glich eher einem Kammerkonzert als einem Stadionkonzert. Nur wenig Publikum, hauptsächlich Gäste und Familien der Nominierten, war zugelassen worden. Mehr Kategorien als bisher wurden im Vorfeld - per Livestream - vergeben. Unter anderem wurde da der Preis für das beste Video vergeben. Der ging auch an Beyoncé - aber zusammen mit WizKid auch an Beyoncés Tochter Ivy Carter. Neun ist sie und die jüngste Grammy-Gewinnerin. Wenn sie weitermacht, wird der Platz auf dem Regal daheim bald eng.

Rekorde, Rekorde: wieder ein Grammy für Beyoncé. SN/afp/cbs broadcasting, inc./cliff lipson
Rekorde, Rekorde: wieder ein Grammy für Beyoncé.

Diskussion um Transparenz

Wie schon bei anderen wichtigen Preisverleihungen gibt es auch beim Grammy eine Diskussion um die Transparenz bei Nominierungen und Preisvergabe. Der kanadische Sänger The Weeknd - zurzeit unter den erfolgreichsten Musikern weltweit, aber nicht nominiert - sagt, er werde die Grammys künftig boykottieren. Auch der ebenfalls nicht nominierte Musiker Zayn Malik hatte die Grammys für mangelnde Transparenz und Diversität kritisiert - und trat während der Verleihung via Twitter nach: Die bisherigen Fortschritte reichten nicht aus. "Ich halte den Druck aufrecht", schrieb Malik. "Wir müssen sicherstellen, dass wir die kreative Qualität von allen ehren und feiern."


(S E R V I C E - www.grammy.com)

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