Musik

Innsbrucks "Haus der Musik": Direktor will Experimente ermöglichen

Wolfgang Laubichler sieht Ort der Bündelung von Aktivitäten und Vernetzung für die acht offiziellen "Nutzer".

 SN/höd

Der Direktor des neuen "Haus der Musik", Wolfgang Laubichler, hat die Ermöglichung musikalischer und künstlerischer Experimente als eines seiner zentralen Anliegen formuliert. Die dortigen "Nutzer", darunter beispielsweise der Tiroler Volksmusikverein oder die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik, sollen außerdem von der neuen örtlichen Nähe profitieren, erzählte Laubichler im APA-Gespräch.

Allein schon dadurch wird höchstwahrscheinlich Neues und Experimentelles entstehen. Schließlich trifft man sich gezwungenermaßen im Lift oder im neuen Restaurant "Das Brahms", das ebenfalls Heimat im neuen Haus findet. Dass dadurch einiges von selbst funktionieren wird und möglicherweise Blasmusik mit Alter Musik oder experimentellem Jazz bald gemeinsame Sache machen, sah der aus Salzburg stammende Kulturmanager als überaus positiv. Aber "man muss dranbleiben", meinte er, und die verschiedenen Akteure zusammenbringen. Bei den im Haus zahlreich anwesenden Institutionen, zu denen weiters auch der Tiroler Sängerbund, der Blasmusikverband Tirol, das Tiroler Landestheater samt Symphonieorchester oder das Institut für Musikwissenschaft zählen, ist das wohl eine durchaus herausfordernde Aufgabe.

"Alles was zu laut ist, wird schwierig."

Eklektisch oder gar beliebig soll die Ausrichtung des architektonisch imposanten Gebäudes an der Kreuzung Rennweg-Universitätsstraße aber dennoch nicht sein. "Das Haus hat schon ein bestimmtes Konzept", merkte er an. "Alles was zu laut ist, wird beispielsweise schwierig", sagte er mit einem Lächeln und erwähnte im selben Atemzug den diesbezüglichen anstehenden Akustik-Grenzgang mit dem Festival "Heart of Noise", der im nächsten Jahr im "Haus der Musik" stattfinden wird. Verschließen will sich Laubichler also der sogenannten "freien Szene" gegenüber nicht. "Ich bin offen für kreative Vorschläge aus dieser Szene", betonte er.

Grenzen über die Lautstärke und Szenen hinaus gibt es aber dennoch: "Wenn der Bühnenaufwand zu groß wird, dann wird es problematisch", führte er aus. Auch in die entgegengesetzte ästhetische Ausrichtung, in Richtung Pop, wird wohl nicht alles funktionieren und stattfinden. "Der große Saal hat ja gerade einmal rund 500 Plätze. Damit kommt man bei bestimmten Acts in diesem Bereich nicht allzu weit", setzte er auch hier einen klaren Rahmen.

Der Konzertsaal ist das Herz des Hauses.

Es gilt also beim "Innenleben" des Hauses sinnvolle und künstlerisch fruchtbare Symbiosen zu finden und zugleich auch Kooperationen mit Institutionen, Veranstaltern und Vereinen von außerhalb einzugehen. "Mit den Klangspuren Schwaz oder dem Osterfestival bin ich diesbezüglich schon im Gespräch", stellte Laubichler dem "Heart of Noise" noch zwei weitere Namen zur Seite.

Egal, wer dann schließlich dauerhaft oder temporär im Haus Unterschlupf findet, er wird es wohl mit dem großen Konzertsaal zu tun bekommen, der als eine Art Herzstück des Hauses gelten kann. Über diesen sprach Laubichler in den höchsten Tönen: "Die Akustik wird großartig sein. Außerdem sind Anmutung, das edle Holz und der Ausblick auf die Hofburg und auf die schöne Eiche schon wirklich etwas Besonderes", geriet er ins Schwärmen: "Ein solcher Saal hat in Innsbruck gefehlt."

Für diesen Saal und für das Haus insgesamt wünschte er sich eine goldene Zukunft: "Haus und Saal sollen eine magische Anziehungskraft haben." Vorbild sei dabei beispielsweise die "Wigmore Hall" in London, in der oftmals bekannte und renommierte Musiker, etwa András Schiff, für relativ kleine Gagen auftreten. Zur "magischen Anziehungskraft" soll neben Saal und Künstlerbetreuung auch das hausinterne Programm beitragen. Im Mittelpunkt ebendieses wird laut Laubichler zwar stets der Klassikbezug stehen, aber auch in Richtung Jazz und Weltmusik will er das Haus ausrichten.

Das Publikum lässt sich auf etwas ein.

Das vielfältige Publikum, das sich allein schon durch diese Ideen und durch die verschiedenen Institutionen im "Haus der Musik" einfinden wird, betrachtete Laubichler als Chance. "So haben wir ein Publikum, das sich womöglich auf etwas einlässt, das es ansonsten nicht wahrgenommen hätte", formulierte er Wünsche in Bezug auf die zukünftigen Hausgäste bei Veranstaltungen. Ebendiese dürfe man auch etwas irritieren und herausfordern, schloss er an. "Das Haus ist unter anderem auch dafür da", bemerkte er und ließ seinen Blick von seinem Büro im dritten Stock hinaus in Richtung Hofburg und Vorplatz streifen, wohl in Erwartung auf das Publikum, das bei der Eröffnung am Samstag und in den Wochen danach "einfallen" wird.

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