Musik

Lotte de Beer will Volksoper mit Opernstudio wendiger machen

Bis dato ist die Heimat der Volksoper das altehrwürdige Haus am Wiener Gürtel. Wenn Lotte de Beer im Herbst ihre Intendanz offiziell antritt, soll es dabei aber nicht bleiben - zumindest nicht ausschließlich. Die 40-jährige Neo-Chefin wird gleich mit Beginn ihrer ersten Spielzeit ein Opernstudio ins Leben rufen, das nicht nur eine Gruppe junger Sängerinnen und Sänger ans Haus binden, sondern auch mit Interventionen in die Stadt ausgreifen soll.

Lenhard, Sponsor Zeller und de Beer (von links) planen neues Opernstudio SN/APA/Volksoper Wien/Barbara Pálff
Lenhard, Sponsor Zeller und de Beer (von links) planen neues Opernstudio

"Wir wollen das Genre Musiktheater weiterentwickeln und neues Publikum anziehen", macht de Beer im APA-Interview deutlich: "Wir müssen unbedingt auch neues Publikum erreichen, damit das Theater anders sprechen, anders denken lernt!"

Diesen Expansionsschritt wird de Beer dabei nicht alleine stemmen, hat sie sich mit Maurice Lenhard doch einen künstlerischen Leiter für das prosaisch schlicht "Opernstudio der Volksoper Wien" betitelte Vorhaben geholt. Der 30-Jährige ist ausgebildeter Bariton, der sich jedoch früh in Richtung Regie und Dramaturgie verlegt hat.

"Wir wollen dahin gehen, wo das Publikum zwischen Anfang 20 und 40 ist, das wir sonst vielleicht verpassen", unterstreicht auch der Deutsch-Franzose, dass man die Volksoper verlassen werde, um Interventionen im städtischen Raum zu setzen: "Unsere Sängerinnen und Sänger sind Teil des Volksopernensembles, wo sie auch kleinere Partien spielen werden. Aber wir werden jede Saison auch eine große eigene Produktion machen - und zwischendrin kleine Störfaktoren in der Stadt. Wir können wie Carrera-Autos schnell und wendig Projekte umsetzen, die keine große Vorlaufzeit benötigen."

Für diese Rolle der automobilistischen Impulsgeber will man konkret sechs Sängerinnen und Sänger sowie einen Pianisten für je zwei Jahre engagieren. Dabei sucht man Allrounder, die zwischen den Genres wechseln können und einen eigenen Kopf haben, wie Lenhard betont: "Wir ermutigen die Beteiligten von Anfang an, eigenständig zu denken. Wo sehen sie die Probleme im Musiktheater? Was stört sie? Es geht um die Förderung und Forderung von Kreativität und Eigensinnigkeit."

De Beer realisiert mit dem Opernstudio genau jenes Projekt, das ihr selbst in der frühen Phase ihrer Karriere gefehlt hat. "Als ich so alt wie Maurice war, habe ich Opernhäusern immer gesagt: Nehmt mich an Bord, denn ich kann ein kleines Schiffchen sein, das viel wendiger ist als euer großer Tanker, was aber nie passiert ist. Deshalb möchte ich das jetzt an der Volksoper ermöglichen." Das Aufgabenprofil von Lenhard umreißt sie dabei augenzwinkernd eindeutig: "Ich lege die Zukunft des Musiktheaters in seine Hände."

Wie sich diese Zukunft dann im Konkreten gestalten werde, lasse sich jetzt noch nicht detailliert sagen, macht Lenhard deutlich: "Es wird sich entwickeln, während wir laufen. Und das entspricht genau dem Konzept. Wir gönnen uns mit dem Vorhaben Opernstudio den Luxus von Flexibilität und Offenheit."

Und dass sich dieser Luxus finanzieren lässt, daran haben nicht zuletzt Drittmittel ihren Anteil, unterstützt doch die Christian Zeller Privatstiftung das Projekt für die ersten fünf Jahre der de-Beer-Intendanz. "Ohne diesen namhaften Betrag, hätten wir das Projekt nicht machen können", freut sich de Beer über ihr neues Schnellboot im Flottenverband Volksoper.

(Das Gespräch führte Martin Fichter-Wöß/APA)

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