Musik

"Marathonläufer" Donots und WIZO räumten beim Nova Rock ab

Mit den Donots und WIZO haben am Samstag beim Nova Rock zwei Punk-Institutionen aus Deutschland das Publikum vor der Red Stage begeistert. Auf der Blue Stage rockten die rot-weiß-roten Genre-Kollegen von Turbobier, die auch einen Punk-Wandertag abhielten. "Die Show war der absolute Wahnsinn", freute sich Ingo Knollmann, Sänger der Donots, über den Auftritt seiner Band am frühen Nachmittag.

Wizo-Bassist Ralf Dietel im Anflug SN/APA/HERBERT P. OCZERET
Wizo-Bassist Ralf Dietel im Anflug

Man hatte den Slot nach vorne getauscht, um nicht gleichzeitig mit Turbobier spielen zu müssen. "Weißt du, wann die beste Zeit zum Auftreten ist?", fragte der Frontman im APA-Interview. "Dann, wenn du spielst! Wenn du dich anstrengst, ist auch zwölf Uhr Mittag der beste Slot. Du hast immer Leute da. Wenn das nur fünf sind, nimm sie mit." Vor der Red Stage fanden sich allerdings wesentlich mehr Fans ein und erlebten eine unterhaltsame Performance der Deutschen.

Zu hören waren auch Lieder von der neuen Studioproduktion "Lauter als Bomben". "Das ist das erste Album, von dem man jeden Song nahtlos ins Programm einbauen kann", meinte Knollmann. "Das liegt am Songwriting. Es ist immer die Ramones-Schule, die gewinnt: einstöpseln, one, two, three, four - und wenn das nicht knallt, dann fuck it!"

Da man seit einiger Zeit auf deutsche Texte umgestiegen ist, sei es den Donots ein Anliegen gewesen, ihre Haltung erneut klar zu positionieren. "Wir sind nicht unbedingt eine rein politische Band, aber uns ist wichtig, dass die Leute wissen, wo wir stehen", sagte Bassist Jan-Dirk Poggemann. "Es gibt diesen Spruch: Jede Band bekommt die Fans, die sie verdient. Die kannst du dir aber tatsächlich verdienen. Ich hätte keinen Bock darauf, dass irgendwelche Grauzonen-Assis bei uns vor der Bühne stehen. Hier waren heute nur Leute, die friedlich Spaß haben wollten."

Eines fiel am Nova Rock auf, die etablierten Punkgruppen wie Donots, Bad Religion und WIZO ziehen immer noch. Der Grund für die Langlebigkeit? "In dieser Szene siehst du mehr Marathonläufer als Kurzstreckensprinter. Letztere kommen schnell weiter, stolpern aber im Ziel oder bekommen einen Ego-Muskelkater. Die Punkbands machen das anders, sie rennen an Trends vorbei, rackern sich ab, sind nicht von Hits abhängig", analysierte Knollmann.

"Hätten wir uns das gedacht damals? Wir hatten alle nicht vor, älter als 30 zu werden", sagte dazu Axel Kurth, Sänger und Gitarrist von WIZO. "Irgendwann sind wir aufgewacht und waren 40. Dann resümiert man und merkt, dass man trotzdem seine Miete zahlen muss. Etwas Gescheites gelernt haben wir ja nicht. Also machen wir weiter - abgesehen davon, dass es Spaß macht. Wir haben zweieinhalb Jahre nicht gespielt, und jetzt stehe ich endlich wieder auf der Bühne. Das klingt kitschig und überstrapaziert, aber ich bin wieder da, wo ich hingehöre."

Die Punks aus Sindelfingen, 1986 gegründet, zwischenzeitlich aufgelöst und mit veränderter Besetzung wiedergeboren, hatten zuletzt das Album "Der" veröffentlicht. Im Winter 2019 geht man nach nur vier Festivalauftritten diesen Sommer (der erste am Nova Rock) unter dem Motto "Schönheit des Verfalls" auf Tournee, am 12. Februar gastieren sie in Lendorf (Festsaal), am 14. Februar im Grazer Orpheum und am Tag darauf in der Arena Wien. "Ich bin ein erklärter Festival-Skeptiker", erzählte Kurth. "Unsere Musik ist eigentlich Kammermusik, die gehört in einen mehr oder weniger kleinen Kasten mit schwitzigen Wänden und einem Dach oben drüber. So funktioniert die Musik. Im Club kann ich in Dialog mit dem Publikum treten. Bei Festivals sehe ich Riesenräder, riesige Getränkewerbungen und eine Hackfleischmasse mit Haaren."

Dann musste er aber während der Performance zugeben: "Nova ist der Hammer!" Denn die Stimmung hätte nicht besser sein können. WIZO fuhren politische Kracher auf ("Ganz klar gegen Nazis"), präsentierten Neues von einem kommenden Album, begeisterten aber auch mit Späßchen wie dem Titellied von Pippi Langstrumpf in einer Highspeed-Version. Die Mischung aus unverblümter, manchmal radikaler Sozialkritik, Hauruck-Punk und melodischen, eingängigen Songs funktionierte prächtig.

Apropos radikal: Body Count brachten bei ihrem Brachial-Set am Nachmittag natürlich auch das umstrittene "Cop Killer", wobei Ice-T von Sen Dog von Cypress Hill, der mit seiner Nebenband Powerflo hier war, unterstützt wurde. Begonnen hatte die Formation mit dem Slayer-Cover "Raining Blood/Postmortem" - Härte war dann auch Programm.

Schwieriger hatten es offenbar The Last Internationale. "Ich war so angefressen, denn die Band war stark, die Energie da, aber dann hatte ich Probleme mit meinem Equipment. Ich konnte mich im Monitor nicht hören, dafür war der Bass zu hoch, aber das Publikum ging voll mit", jammerte Gitarrist Edgey Pires mit einem Lachen auf den Lippen. Seine Sängerin Delila Paz fiel ihm beim Interview ins Wort: "Immer diese Gitarristen! Wir haben es sehr genossen, es war cool, weil wir nach den Rocknummern zu Beginn sanften, akustischen Folk gespielt haben - und all die hartgesottenen Besucher haben aufmerksam zugehört."

Für die Einsatzkräfte war der dritte Nova-Tag ein "kurzweiliger Samstag", wie es in einer Aussendung hieß. "Heute hatten wir zwar viele Versorgungen, die meisten Behandlungen waren aber nur gegen alltägliche Wehwehchen", schilderte Thomas Horvath vom Roten Kreuz Burgenland. "Ohrenschmerzen, Halsschmerzen, leichte Verbrennungen oder Sonnenbrände, Verbandswechsel nach bereits erfolgten Versorgungen. Außerdem macht sich die Kälte der ersten Tage jetzt durch Blasenentzündungen und Co bemerkbar."

Quelle: APA

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