Musik

Mozartwoche: Das war gepflegt, aber nicht mehr

Es war ein verbindlicher Abend im Großen Festspielhaus mit den Wiener Philharmonikern.

Mozartwoche: Das war gepflegt, aber nicht mehr SN/asconas holt/nin
Tugan Sokhiev dirigierte die Wiener Philharmoniker.

So kennt man sie halt, die Wiener Philharmoniker, wenn sie "Dienst" tun. Sie zeigen, dass sie es können, aber sie gehen nicht aus sich heraus. Zugegeben: Das gut 30 Jahre alte, dem großen Geiger Isaac Stern zugeeignete Violinkonzert "L'arbre des songes" von Henri Dutilleux dürfte für die Musiker neu gewesen sein. Sie ließen ihm denn auch jene zart schillernde Farbigkeit angedeihen, die die Tonsprache auszeichnet. Renaud Capuçon lieh ihm den goldenen Ton seines Instruments und hatte, frei vom Nachdenken über technische Anforderungen, die Energie, große Bögen zu legen, die musikalischen Ideen mit Animo auszuspinnen und zu selbstverständlichem Leuchten zu bringen. Auf den Dirigenten Tugan Sokhiev konnten sich er und das Orchester verlassen: Alle Zeichen standen auf Vertrautheit.

Unorthodoxe Schlagtechnik

Die unorthodoxe Schlagtechnik des 1977 geborenen Osseten, der derzeit noch das Deutsche Symphonie Orchester Berlin leitet und Chef im Moskauer Bolschoi ist, bedient quasi malerische Komponenten. Ohne Taktstock beschreiben Sokhievs Hände gelenkig flatternd den Verlauf mehr als den Puls der Musik.

Deswegen war auch die Haffner-Symphonie von Mozart mehr gemalt als gestichelt oder geätzt, und Mendelssohns "Italienische" zog als verbindliche Reisebeschreibung voll sonnigem Gemüt am Ohr vorüber.

Die Wiener Philharmoniker kennen den Dirigenten schon aus Wiener Konzerten und der Oper, in Salzburg stellte er sich 2010 bei der Kulturvereinigung mit seinem damaligen Toulouser Orchester vorteilhaft vor. Allerdings scheint er mit saftigeren Werken als diesmal entschieden mehr anfangen zu können.

(SN)

Aufgerufen am 19.01.2018 um 09:28 auf https://www.sn.at/kultur/musik/mozartwoche-das-war-gepflegt-aber-nicht-mehr-1783384

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