Musik

Mozartwoche: Ein Original kann durch nichts ersetzt werden

Die überlange und trotzdem seltsam disproportionierte "Acis und Galatea"-Trilogie bei der Mozartwoche.

Mozartwoche: Ein Original kann durch nichts ersetzt werden SN/sn
Symbolbild.

In seinem zentralen Projekt zur Salzburger Mozartwoche hat deren künstlerischer Kopf, Marc Minkowski, um Mozart einen großen Bogen gemacht. Es ging am Freitag im Haus für Mozart um die Pastorale "Acis und Galatea", deren "Urform" Georg Friedrich Händel in zwei Versionen hinterlassen hat. Auf der englischen Fassung, einem privaten Auftrag von 1718, basieren sodann einerseits eine von Baron van Swieten angeregte Version, die Mozart 1788, also siebzig Jahre nach Händels Original, angefertigt hat, und eine Bearbeitung, die der junge Felix Mendelssohn 1829, also wiederum vierzig Jahre nach Mozart, schuf.

Aus diesem musikhistorisch interessanten Dreischritt formte Minkowski mit seinen Musiciens du Louvre eine "Trilogie", die freilich nur ein "Dialog" war - und auch in dieser Version schon gut dreieinhalb Stunden Aufführungszeit verschlang. Akkurat Mozart blieb, bis auf die Ouvertüre und zwei Zwischenspiele, dabei ausgespart - eine gelinde gesagt seltsame Aufführungspraxis bei einem Festival, das "Mozartwoche" heißt.

Aber sei's drum: Minkowski wollte offenbar besonders auf die raumgreifende Rarität der Mendelssohn-Bearbeitung verweisen, die das damals 20-jährige Junggenie mit Feuereifer sozusagen aus dem Klang seiner Zeit erstellte. Da gibt es - was bei Händel wegen des privaten Auftrags und dementsprechend dem intimen Charakter nicht angedacht war - vor allem einen üppigen, tonmalerisch illustrativen Bläsersatz, der die schlichte Liebesgeschichte zwischen der Nymphe Galatea und dem Schäfer Acis, den der vor Eifersucht rasende Riese Polyphem gleichsam unter tragikomischen Bassrouladen zermalmt, mit allen erdenklichen Klangfarben verstärkt.

Gewiss: Die Musiker aus Grenoble wissen das mit aller Delikatesse auszumalen, die - bis auf Peter Rose als Polyphem - eher leichtgewichtigen Solisten (Julie Fuchs, Valerio Contaldo, Colin Balzer) haben nobles Stilempfinden. Sie lassen sich auch von den großflächigen Bewegungen und Gesten des Dirigenten zu "sprechender" Haltung antreiben. Und dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass das alles nicht mehr als verbindlich wirkt, gleichsam ein oberflächliches Hör-Schau-Vergnügen.

Das nach der Pause gegebene Original von Händel zeigte nichts weniger, als dass ein Original eben durch nichts ersetzt werden kann. Das atmete englisch-italienisches Flair auch durch die "festeren" Stimmen von Anna Devin (Galatea) und dem vielversprechenden Bass Krzyzstof Bączyk (Polyphem), blieb aber im interpretatorischen Zugriff ebenso verbindlich wie Mendelssohns Bearbeitung. Von Mozart war ohnedies nicht die Rede, da Minkowski kurzfristig auch noch eine vorgesehene Arie aus dem Programm strich: eigenartig.

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