Musik

Mozartwoche: Im Geist des Flüssigen

Mozartwoche: Pablo Heras-Casado erntete bei seinem Debüt Jubel.

Mozartwoche: Im Geist des Flüssigen SN/ism/wolfgang lienbacher
Pablo Heras-Casado.

Wie gefährlich ist es, Musik in allzu konkrete Bilder zu übersetzen? Bei Felix Mendelssohn Bartholdys "schottischer" Symphonie Nr. 3 kam es auch schon zu prominenten Verwechslungen. So schwärmte einst Robert Schumann, dass aus dem Werk deutlich der Klang Italiens zu hören sei. Er habe nämlich irrtümlich geglaubt, statt der Partitur der "schottischen" jene der "italienischen" Symphonie Mendelssohns vor sich zu haben, berichtete Walter Weidringer in der Einführung zum Konzert der Wiener Philharmoniker am Samstag im Großen Festspielhaus. Kurz darauf im Konzertsaal bestanden derlei Gefahren nicht. Die berühmte "Schottische" stand im Mittelpunkt des Konzerts bei der Mozartwoche, mit dem Pablo Heras-Casado sein Debüt am Dirigentenpult der Wiener Philharmoniker gab.

Er war für Nikolaus Harnoncourt eingesprungen und nutzte seinen Einstand für eine transparent fließende Interpretation, die zwischen Aufruhr und Idylle, weichem Streicher- und klar akzentuiertem Bläserklang stets das Gleichgewicht suchte und fand. Ein vielgestaltiges Bild in differenzierten, nicht zu romantisch übersteigerten Klangfarben zeichneten die Philharmoniker mit ihrem Gast. Als plakative Landschaftsmalerei hatte Mendelssohn, der seine Impressionen während einer Schottlandreise einfing, sie auch nie geplant. Die Reifezeit der Symphonie ließe sich unterdessen durchaus mit jener eines schottischen Whiskys vergleichen: Fast dreizehn Jahre dauerte es, bis das Werk in allen komplexen Nuancen finalisiert war.

Das Element des Flüssigen war jedoch als wiederkehrendes Thema vor allem im ersten Teil zu finden. "Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu Dir", heißt es im Psalm Nr. 42, den Mendelssohn 1837 vertonte. Im Gegensatz zur prominenten "schottischen" Symphonie gilt das Werk als Rarität. Dem Orchester legte der Dirigent vornehme geistliche (Zurück-)Haltung auf. Für Opulenz sorgten vor allem der Arnold Schönberg Chor und Sopranistin Dorothea Röschmann.

Kontrastreich und im Zeichen des Liquiden hatte das Konzert indes auch begonnen: Mit Mendelssohns "Melusine"-Ouvertüre. Die Geschichte von der unmöglichen Liebe zwischen Meerjungfrau und Ritter hat der Komponist mit stark gegensätzlichen Orchesterthemen inszeniert. Mit souveräner Geste brachte Heras-Casado das Lyrische und das Dramatische wieder auf einen Nenner. Mendelssohn soll den Inhalt der "Melusine" lakonisch so zusammengefasst haben: "Es geht um eine Mesalliance." Die Wiener Philharmoniker und Heras-Casado hingegen: Das klang nach einer glücklichen Verbindung.

Aufgerufen am 19.04.2018 um 12:09 auf https://www.sn.at/kultur/musik/mozartwoche-im-geist-des-fluessigen-1775716

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