Musik

Neue Oper Wien kämpft mit Wutminiaturen um das Musiktheater

Dass zeitgenössisches Musiktheater oftmals absurd erscheint, daran haben sich die meisten Konsumenten gewöhnt. Dass dies aber auch ganz bewusst passieren kann, das hat am Donnerstagabend die Neue Oper Wien unter Beweis gestellt - mit einem Miniaturenduett zweier musikalischer Brandreden, die im Meidlinger Werk X anhoben. Der Clou dabei: Eine war die Erstaufführung einer Arbeit von Peter Eötvös.

Am Beginn stand jedoch die surreale Textcollage "Der Ficus spricht", die der 2000 freiwillig aus dem Leben geschiedene Gerhard Schedl einst mit dem Dichter Franzobel gemeinsam erstellt hatte. Dessen Textschnipsel stellen Versatzstücke der Theaterkommunikation dar, bestehen aus in den Raum geworfenen Imperativen wie "Lachen Sie nicht" oder pseudophilosophischen Exkursen wie "Es gibt hier kein Publikum". Während Laura Schneiderhan und Dieter Kschwendt-Michel diese sich zunehmend fragmentierenden Texte mit vollem Körpereinsatz rezitieren, hat Wolfgang Resch als Balladensänger im Kurt-Weill-Stil die einzige Arie des Werks über, liefert Schedl ansonsten lediglich Begleitmusik zwischen Jazz, russischer Moderne und Webern changierend. Am Ende hat sich das Libretto zu bloßen Sprachfetzen verdünnt. Einsatz Alexander Kaimbacher.

Dieser vertreibt - noch im Publikum sitzend - mit einer Brandrede den Neue-Oper-Impresario Walter Kobera und einen Großteil des Orchesters von der Bühne. Zurück bleiben lediglich drei Bläser und die Repetitorin Anna Sushon, die nun das Zepter übernehmen muss. Freie Bahn für einen Rundumschlag gegen das Regietheater, die Subventionskürzungen der öffentlichen Hand und ein verarmendes Repertoire, das nur mehr auf große Klassiker setze.

Hier scheint der junge Peter Eötvös - der alte wohnte der Österreich-Premiere seines Werks persönlich bei - mit seinem 1976 geschriebenen "Radames" beinahe prophetisch. Als satirisch-absurde Kritik am zeitgenössischen Theaterbetrieb setzt er dem einzig verbliebenen Sänger des Ensembles eines Opernhauses, einem Counter, drei Regisseuren aus - einem Sprechtheatermann, einer Opernregisseurin und einem Filmemacher -, die den Sänger sekkieren. Der muss nun nicht nur Radames, sondern auch Aida singen und die verschiedenen Wünsche erfüllen - bis zum Umfallen im wörtlichen Sinne.

Auch wenn gewisse dramaturgische Schwächen und Repetitionen auf den Charakter eines Jugendwerks verweisen, erweist sich die "Radames"-Erstaufführung als Erfolg für die Neue Oper. Schließlich sind die Themen des Abends, der eher Musiktheater mit Betonung auf dem zweiten Wortteil ist, heute aktuell wie eh und je. Irgendwie absurd.

Quelle: APA

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