Musik

Phil Collins in Wien: Er ist noch immer nicht tot

Er kann es immer noch: Popstar Phil Collins begeisterte seine Fans im Zuge seiner "Still-Not-Dead-Yet"-Tour im Wiener Ernst-Happel-Stadion.

Es gibt kaum jemanden im Popgeschäft, der stärker polarisiert als er: Der britische Musiker Phil Collins schrieb in den 1980er Jahren einen Hit nach dem anderen und verkaufte als Solokünstler sowie mit seiner Band Genesis mehr als 250 Millionen Tonträger. Von den Fans geliebt, von der Kritik oft belächelt, zählt der 68-Jährige zu den erfolgreichsten Musikern aller Zeiten. Nun ist Collins wieder auf Tour. Am Sonntagabend gastierte er im Wiener Ernst-Happel-Stadion.

Der Mann, der einst als Schlagzeuger bei Genesis begann, ist gesundheitlich stark angeschlagen, kann nicht mehr Schlagzeug spielen, braucht einen Stock als Gehhilfe und sitzt die meiste Zeit des Konzertes. Private Krisen haben tiefe Spuren hinterlassen. Drei gescheiterte Ehen, persönliche Tiefschläge, Alkoholismus und ein mögliches Karriereende: Phil Collins stand am Abgrund, doch er schaffte es zurück ins Leben. Passend dazu trägt seine Tour (in Weiterführung der 2016 erschienenen Autobiografie "Not Dead Yet") den selbstironischen Titel "Still Not Dead Yet" - also "Noch immer nicht tot". Und das stellten er und seine Band in Wien eindrucksvoll unter Beweis. Als Vorband fungierte übrigens Genesis-Gitarrist Mike Rutherford mit seiner Combo Mike & the Mechanics.

Feuerwerk mit einigen Genesis-Hits

Zwei Stunden lang zündete Phil Collins im Rahmen einer stilvoll-opulenten Live-Show ein Hitfeuerwerk, das auch drei Songs seiner früheren Band Genesis beinhaltete. Jene Gruppe, die in den 1970er Jahren kunstvollen Progressive Rock spielte, ehe Phil Collins nach Peter Gabriels Ausstieg in die Rolle des Frontmans und Sängers schlüpfte, und die Musik mit der Zeit immer einprägsamer - und erfolgreicher - wurde. Vor allem aber solo knackte Collins die Hitformel. Und so kamen die rund 40.000 Fans im Oval des Happel-Stadions in den Genuss atmosphärisch-kraftvoller Songs wie "Another Day in Paradise" oder "In the Air Tonight". Zeitlose Stücke sind das, die längst ihren Platz im kollektiven Popuniversum haben.

Phil Collins beim Konzert im Wiener Ernst-Happel-Stadion. SN/APA/HERBERT P. OCZERET
Phil Collins beim Konzert im Wiener Ernst-Happel-Stadion.

Gesanglich geht nicht mehr alles ganz so wie früher - die besonders hohen und lauten Gesangspassagen werden vom gebürtigen Londoner aber gekonnt umschifft. In seinem Rücken hat Phil Collins seine famose, aus vielen Wegbegleitern bestehende, 14-köpfige Band, die vor allem bei den schnellen, mit fetzigen Bläsern durchsetzten Stücken brillieren kann. Und am Schlagzeug sitzt ein 17-Jähriger: Sohn Nic Collins trommelt für seinen Vater seit die "Not-Dead-Yet"-Tournee vor zwei Jahren begann.

Phil Collins hat sein Glück wiedergefunden

Phil Collins, fünffacher Vater und frischgebackener Ehrendoktor der Grazer Kunstuni, hat sein Glück und seinen Platz wiedergefunden. Er lebt seit 2015 wieder mit seiner Ex-Frau Orianne und den Söhnen Nicholas und Mathew in Miami zusammen. Ein musikalischer und emotionaler Höhepunkt der weitgehend einzementierten Setlist ist die eher unbekannte Ballade "You Know What I Mean", bei der der Sänger nur von seinem Sohn am Klavier begleitet wird.

Freilich schwingt viel Nostalgie mit bei den aktuellen Konzerten des Briten. Doch in einer Zeit, da immer mehr Größen des Popgeschäfts für immer abtreten, tut es gut, die Möglichkeit zu haben, einen solchen Kapazunder noch live zu erleben. Zudem nimmt Phil Collins seinen Kritikern mit seiner unprätentiösen, selbstironischen Art längst den Wind aus den Segeln. Sympathisch ist das - und ungekünstelt. Und so braucht sich niemand genieren, am Heimweg vom Happel-Stadion die Collins-Hymne und einzige Zugabe des Abends "Take Me Home" zu pfeifen.

Phil Collins, 2.6.2019, Wien, Ernst-Happel-Stadion - die Setlist:

1. Against All Odds
2. Another Day in Paradise
3. Hang in Long Enough
4. Don't Lose My Number
5. Throwing It All Away (Genesis)
6. Follow You Follow Me (Genesis)
7. I Missed Again
8. Who Said I Would
9. Separate Lives
10. Drum Trio
11. Something Happened on the Way to Heaven
12. You Know What I Mean
13. In the Air Tonight
14. You Can't Hurry Love
15. Dance Into the Light
16. Invisible Touch (Genesis)
17. Easy Lover
18. Sussudio
Zugabe:
19. Take Me Home

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