Musik

Polizisten stehen im Fadenkreuz der Popmusik

Taugt ein subversiver Extrabreit-Song zum entspannten Sommerhit?

Fred Schreiber singt lässig über „Polizisten“. SN/problembär records
Fred Schreiber singt lässig über „Polizisten“.

"Polizisten wissen, was zu tun ist, denn sie haben Funkverkehr", säuselt der Wiener FM4-Moderator und Sänger Fred Schreiber. Dahinter machen es sich Fender Rhodes und Gitarre bequem. Die Coverversion von "Polizisten", am Freitag auf Problembär Records erschienen, hat das Zeug zum Sommerhit. Das Original war subversives Ventil der Neuen Deutschen Welle. Die Band Extrabreit schuf 1981 aus dem erbittert geführten Kampf der Staatsgewalt gegen die RAF düstere Klänge: "Sie haben Angst vor Terroristen, denn sie ziehen nicht schnell genug", reflektierte Sänger Kai Havaii die Geschehnisse mit grimmigem Humor.

30 Jahre später spiegelt die Popmusik erneut das Unbehagen vieler Bürger gegenüber Polizeigewalt. Wer den neunminütigen Todeskampf des Afroamerikaners George Floyd im Internet verfolgt, holt in seiner Wut alte Platten wie "Cop Killer" oder "Fuk da Police" aus dem Schrank. Rapper wie Ice-T, Ice Cube oder Dr. Dre fungierten als Berichterstatter des Alltags in Los Angeles. Der musikalische Kontrast zwischen den "Niggaz wit Attitudes" (N.W.A.) und Fred Schreiber könnte kaum größer sein. Die lässig-ironische Attitüde seiner Wiener Combo führt jedoch dazu, dass man genauer hinhört. Das kommt diesem brisanten Thema zugute.

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