Musik

styriarte: Stimmungsvolle Geschichts-Reise mit Jordi Savall

Stimmungsvoll wie ein Historien-Drama hat Jordi Savall sein Konzert am Sonntag in der Grazer Helmut List-Halle gestaltet. Der Abschlussabend der styriarte gelang durch die fein aufeinander abgestimmten Musikstücke überzeugend, die Qualität der Musik steht bei Savall und seinen Mitstreitern wie Lorenz Duftschmid, der Capella Reial de Catalunya oder Hesperion XXI sowieso außer Zweifel.

Die Halle war so voll wie selten, die Bestuhlung maximal, mehr geht vermutlich nicht. Wie man auch diesmal wieder sah, ist Jordi Savall für ein höchst gemischtes Publikum ein starker Anziehungspunkt. Seit Jahren bietet er in seinen Konzerten nicht einfach nur Alte Musik in hübscher Reihenfolge, sondern erstellt immer ein inhaltliches Gesamtprogramm. Diesmal stand der Abend unter dem Motto "Krieg und Frieden" und beschäftigte sich mit der Zeit von Mitte des 15. bis Mitte des 16. Jahrhunderts.

Im Mittelpunkt standen die beiden Kaiser Maximilian I. und Karl V., um deren Leben und Sterben Musik von Canzone über Fanfaren, Gebet oder Chanson bis zu Motetten arrangiert wurde. Sinnvollerweise waren die einzelnen Stücke ohne Pausen aneinandergereiht, kurze Erklärungen und die Übersetzung der gesungenen Texte gab es in den Übertiteln.

Es begann mit einer anonymen Canzone, die die Geburt des späteren Kaisers Maximilian ankündigte, wobei sich zarte Töne mit freudigen Posaunenklängen mischten. Die Hochzeit mit Maria von Burgund wurde musikalisch thematisiert, gleich darauf aber auch der tragische Tod der jungen Königin bei einem Jagdunfall. "Benedic, anima mea" wurde zum berührender Trauergesang von vier Männerstimmen, die einen kurzen Moment des Innehaltens in das Programm brachten. Als wirkungsvollen Kontrast gab es gleich darauf "Vive le Roy" (Josquin Desprez), womit Maximilians Regentschaft über Flandern mit strahlenden Tönen angekündigt wurde. Einer der schönsten Momente war das Gebet "El pan de la afliccion", mit dem die Vertreibung der Juden aus Spanien in Musik umgesetzt wurde. Für die Motette "Circumdederunt me gemitus mortis" legte Savall seine Diskantviola weg und widmete sich ganz dem Dirigieren dieses vielschichtigen Musikstücks.

Der zweite Teil - wirkungsvoll mit einer anonymen Fanfare begonnen - war Kaiser Karl V. gewidmet. Wieder wurde eine Hochzeit gefeiert, und zwar mit Isabella von Portugal, was mit dem Chanson "Belle qui tiens ma vie" leicht und hoffnungsvoll musikalisch erzählt wurde. Auch hier folgte der Tod der Gemahlin, wieder gab es einen Trauergesang. Dass es auch rhythmisch und martialisch geht, bewies "La Battaglia per sonar" (Tielman Susato), ein Stück, das Savall zur Verdeutlichung der Schlacht bei Mühlberg auswählte. Den klangvoll-nachdenklichen Schluss bildete wieder eine Motette, diesmal von Cristobal de Morales, bei der sämtliche Sänger und Musiker erneut ihre Klasse unter Beweis stellten.

(S E R V I C E - https://styriarte.com)

Quelle: APA

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