Musik

Künstler feilen an Streaming-Konzert: "Es gibt kein Zögern, wenn Salzburg ruft"

Außergewöhnliche Künstler aus Stadt und Land Salzburg vereinen ihre Fähigkeiten in einem Streamingkonzert.

Wie feiert man Mozarts Geburtstag angemessen? In Salzburg stellt sich diese Frage gar nicht, die Mozartwoche bietet Konzertmöglichkeiten auf höchstem Niveau. Der Lungauer Bariton Rafael Fingerlos pflegt an seinem Wohnort Wien ein spezielles Ritual. "Ich gehe jedes Jahr zu seinem Grab und zünde eine Kerze an", erzählt der Bariton, der fünf Jahre an der Wiener Staatsoper tätig war.

Heuer war alles etwas anders, Rafael Fingerlos weilte am Mittwoch in Salzburg und probte - genau! - Mozart. Gemeinsam mit dem Mozarteumorchester feilte der Bariton am Programm des Streamingkonzerts "So klingt Salzburg". Rafael Fingerlos widmet sich dabei seinem "Lebenskomponisten", Figaro, Graf Almaviva oder Papageno gehören zu den Leibpartien des energetischen Baritons. Der gebürtige Tamsweger versichert: "Besser kann man Mozarts Geburtstag nicht feiern."

Orchester feiert Mozart im Stream: "Hatten Zeit, hatten Lust"

Mozart - oder besser die ihm gewidmete Mozartwoche - ist hauptverantwortlich für das Zustandekommen des Streamingprojekts. Denn tatsächlich hätte das Mozarteumorchester in der Mozartwoche ein Konzert mit seinem Chefdirigenten Riccardo Minasi gehabt. Da das Festival nicht in seiner ursprünglichen Form stattfinden konnte, befand sich Orchesterdirektor Siegwald Bütow in einer ungewöhnlichen Situation. "Ich wusste, ich habe ein Orchester, ich habe einen Dirigenten. Wir dürfen arbeiten - was machen wir jetzt?", erzählt Bütow. Schnell sei die Idee mit einem Konzert von Salzburger Künstlern entstanden: "Bei meinen Anrufen wurde schnell klar: Die hatten Zeit, die hatten Lust."

"Streaming ist Neuland für das Mozarteumorchester", sagt Bütow. Der neue Mann an der Spitze des Orchesters konnte seine Erfahrungen in diesem Bereich ausspielen, die er in seiner jahrzehntelangen Tätigkeit für öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten erworben hat. Er sei mit dem Produzenten Hannes Schalle in Kontakt gekommen, "und dann konnten wir loslegen". Mit den "Salzburger Nachrichten" habe das Mozarteumorchester einen Kooperationspartner gefunden, der für Qualitätsjournalismus stehe "und so viele Menschen wie möglich in Salzburg erreicht", sagt der Orchestermanager.

Junge und etablierte Künstler spielen zusammen

Die Idee des Streamingkonzerts war, dass arrivierte Künstler wie Beni Schmid und Rafael Fingerlos mit jungen Künstlern zusammenkommen. Der weltweit engagierte Sänger zählt zu den großen Namen dieses Projekts, das herausragende Salzburger Künstler verschiedener Altersstufen zusammenbringt. "Wenn die Heimatstadt Salzburg ruft, dann gibt es für mich kein Zögern", sagt Fingerlos. Der Bariton wurde zudem eingeladen, eine junge Sängerin mit Salzburg-Bezug vorzustellen. Der Bariton entschied sich nach längerer Suche für Karolina Bengtsson, eine erst 23-jährige Mozarteum-Studentin. "Karolina steht vor einer großen Karriere. Es wird nicht mehr lange dauern, dann wird man von ihr hören", sagt Fingerlos.

Tatsächlich offenbart sich bei einem Probebesuch eine wunderbare lyrische Sopranstimme, die sich etwa ideal für Pamina eignet. Deren populäre Arie "Ach, ich fühl's" wird im Streamingkonzert erklingen. Auch die quirlige Papagena, die Karolina Bengtsson im Duett mit "Papageno" Rafael Fingerlos verkörpert, passt zu dieser jungen Sängerin.

Cellistin Julia Hagen: "Hoffnung" vermitteln in Zeiten des Lockdowns

Nur zwei Jahre älter als die schwedische Sängerin ist Julia Hagen. Die Cellistin hat die ersten Stufen auf der musikalischen Karriereleiter bereits erklommen. Sie tritt in die Fußstapfen vieler erfolgreicher Verwandter aus der Salzburger Musikerfamilie. Ihr Auftritt beim Streamingkonzert stellt in mehrerlei Hinsicht eine Rückkehr dar: Seit Beginn der Coronakrise befindet sich die Wahlberlinerin wieder in ihrer Heimatstadt. Dadurch konnte sie kurzfristig ein Angebot der Salzburger Festspiele annehmen, den Vortrag der Auschwitz-Überlebenden Anita Lasker-Wallfisch musikalisch zu untermalen. "Ich hatte mir für dieses Ereignis bereits Karten gekauft", erzählt die Cellistin. "Nun feierte ich mein Festspieldebüt."

Auch mit Musikern des Mozarteumorchesters verbindet Julia Hagen seit ihrer Kindheit eine Verbundenheit. 2018 trat die Cellistin in einem Konzert des Mozarteumorchesters erstmals im Großen Festspielhaus auf. "Das war unglaublich aufregend, mein erstes Konzert in Salzburg", erinnert sich die 25-Jährige. Für das Streamingkonzert steuert sie Max Bruchs "Kol Nidrei" bei, ein Stück auf der Basis hebräischer Melodien. "Dieses Stück soll Hoffnung vermitteln. Denn je länger der Lockdown dauert, desto schwieriger ist es für uns alle."

Unter den Solisten befindet sich auch ein "Eigengewächs" des Mozarteumorchesters. Der Klarinettist Bernhard Mitmesser hat gerade sein Probejahr im Orchester beendet und wurde im Coronajahr Vater. Nun präsentiert er sich mit Carl Maria von Webers Klarinettenkonzert. Als Pongauer komplettiert Bernhard Mitmesser ein Panorama außergewöhnlicher Talente aus Stadt und Land - so klingt Salzburg.

Programm: "So klingt Salzburg"

Weil alle Konzertsäle zu sind, bieten das Mozarteumorchester Salzburg und die "Salzburger Nachrichten" eine spezielle Premiere: Das während der Corona-Zeit eigens mit Salzburger Solisten organisierte Konzert "So klingt Salzburg" wird digital übertragen.
Der Stream in Full HD und bester Tonqualität wird am Sonntag, 31. Jänner, ab 11 Uhr auf www.sn.at/kultur freigeschaltet.


Riccardo Minasi dirigiert als Chefdirigent dieses Konzert, das von Moonlake Entertainment aufgezeichnet wird. Für die Solopartien sind bereits berühmte Salzburger Musiker und Nachwuchstalente engagiert. Zudem werden drei Orchesterstücke gespielt.


Programm
• "An die Musik" von Franz Schubert und Max Reger (Rafael Fingerlos, Bariton)
• Mozart-Arien (Karolina Bengtsson, Sopran, Rafael Fingerlos)
• Suite Nr. 4 von Peter I. Tschaikowsky, 3. Satz: Preghiera
• "Kol Nidrei" von Max Bruch (Julia Hagen, Violoncello)
• Ouvertüre zu "Euryanthe" von Carl Maria v. Weber
• 3. Satz aus dem Klarinettenkonzert Nr. 2 von Carl Maria v. Weber (Bernhard Mitmesser, Klarinette)
• Romanze F-Dur von Ludwig van Beethoven (Ziyu He, Violine)
• "Havanaise" von Camille Saint-Saëns (Benjamin Schmid,
Violine)
• "Navarra" von Pablo de Sarasate, für 2 Violinen und Streicher (Ziyu He und Benjamin Schmid)
• "Saltarello: Presto", 4. Satz der Symphonie Nr. 4. "Italienische", von F. Mendelssohn-Bartholdy.

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IBAN: AT71 1200 0514 4907 5733
Betreff: "So klingt Salzburg".

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