Kulturgespräch

Der neue Camerata-Chef im Kulturgespräch: "Salzburg braucht einen neuen Konzertsaal"

Andreas Bräunig ist neuer Geschäftsführer der Camerata Salzburg. Der musikaffine Jurist hat dafür das Freiburger Barockorchester verlassen. Was kann er? Was will er? Was tut er für die Camerata Salzburg? Dies erläutert er im Interview mit SN-Kulturchefin Hedwig Kainberger.

Mit beträchtlichen Anliegen tritt der neue Geschäftsführer der Camerata Salzburg an. Ein neues Konzerthaus sei nötig, sagte Andreas Bräunig im SN-Interview.

Zwar sei es von Vorteil, dass der Probenraum der Camerata im Kunstquartier an der Bergstraße nahe bei den Büros des Orchesters sei, beteuert Andreas Bräunig. Doch sei die Akustik des Saales nicht einmal gut genug, dass man in der Probenarbeit "alles herausholen kann" - von professionellen Konzerten nicht zu reden. Der Saal sei auch akustisch nicht adaptierbar: "Es fehlen Höhe und Weite."

Ein neues Kammerkonzerthaus für etwa 250 bis 300 Besucher sollte neue Formate von Kammermusik sowie neue Zugangsformen ermöglichen. Die Anordnung "hier Orchester, dort Publikum" sei der Kern des Konzertwesens, "hier will ich gar nicht rütteln", sagt Andreas Bräunig. Dazu wäre es reizvoll, "andere Begegnungsformen" von Musikern und Zuhörern zu schaffen. Ab sofort ist er auf Suche: nach einem Raum oder einem Gebäude, der oder das als Kammerkonzert- sowie Probensaal zu adaptieren wäre, oder nach einem Baugrund sowie außerdem nach Unterstützern.

So ein neues Konzerthaus käme nicht nur der Camerata Salzburg für Proben und Auftritte in speziellen Formationen zugute, "man kann der Stadt Salzburg eine neue Facette geben". Er sei auch offen, dieses mit einem anderen Ensemble zu nützen. Vorbild dafür könnte das Freiburger Ensemblehaus sein, das seit 2012 das Barockorchester Freiburg sowie das auf Zeitgenössisches spezialisierte "ensemble recherche" beheimatet.

Freiburg kennt Andreas Bräunig so gut, weil er zuvor Justitiar und stellvertretender Geschäftsführer des Freiburger Barockorchesters gewesen ist. Seit Mitte November ist er als Nachfolger von Shane Woodborne der neue Geschäftsführer der Camerata Salzburg, die er als eines der "besten Kammermusikorchester Europas" bezeichnet.

Wie in Freiburg ist er in Salzburg für Kaufmännisches zuständig; zudem hat er künstlerisches Mitspracherecht. Allerdings: Künstlerische Leiter sind die Konzertmeister Gregory Ahss und Giovanni Guzzo, die das Orchester in Konzerten auch leiten - wie demnächst Giovanni Guzzo das Silvester- wie das Neujahrskonzert.

Es sei nicht geplant, einen dauerhaften Chefdirigenten zu suchen, sagt Andreas Bräunig. Dies passe in die Tradition eines auf Mitbestimmung basierenden Kammerorchesters, in dem Musiker ebenso eigenständig miteinander spielten, wie sie zu künstlerischen oder strategischen Entscheidungen fänden. "Ideen und Projekte entwickeln wir gemeinsam." Gastdirigenten seien willkommen, vor allem wenn sie der Camerata "Neues erzählen" könnten. Und partnerschaftliches Musizieren mit Dirigenten sei ebenso erwünscht wie mit herausragenden Solisten - wie demnächst wieder Hélène Grimaud und Janine Jansen.

Konzerte: Camerata Salzburg, Große Aula, Salzburg, Silvesterkonzert, 31. Dezember 2021, 18 Uhr; Neujahrskonzert, 2. Jänner, 11 Uhr.

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Aufgerufen am 26.01.2022 um 01:28 auf https://www.sn.at/kultur/musik/video-kulturgespraech-der-neue-camerata-chef-im-kulturgespraech-salzburg-braucht-einen-neuen-konzertsaal-114310618

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