Musik

Wenn es Nacht wird in der Schule

Benjamin Brittens Zauberoper "A Midsummer Night's Dream" in ungewöhnlicher Umgebung.

Auf den italienischen Regisseur Damiano Michieletto ist Verlass, er findet auch bei altbekannten Opern einen Blickwinkel, auf den man erst einmal kommen muss. Wobei Benjamin Brittens späte Oper nicht so oft gespielt wird wie Shakespeares Komödie "A Midsummer Night's Dream", welche die Vorlage bildete. Kennt man sich bei Shakespeares Zauber- und Verwechselspiel immer aus? Eben. Bei Michieletto auch nicht, obwohl er alles an Bewegung und Bildern einsetzt. Und vor allem hat sein Bühnenbildner Paolo Fantin eine enorme Fantasie, welche dem Abend trotz des eigentlich nüchternen Ambientes eines Turnsaals mit Schulbühne viel Zauber und Schaueffekte beschert.

Wo gibt es denn mehr amouröse Verwirrungen als in einer Schule voller Halbwüchsiger? Lysander und seine Hermia wollen gar die Nacht in der Schule verbringen, allerdings ist auch Demetrius in Hermia verliebt, wird aber von Helena hartnäckig bedrängt. Und da kommt Puck, aber wer ist das? Ein mitten unter den Mitschülern einsames Kind, das sich eine nur für es sichtbare Parallelwelt herbeifantasiert. Britten hat dafür eine Sprechrolle. Die viel gelobte Maresi Riegner ist dieses Wesen, das im Auftrag Oberons den Staub herbeischafft, der Liebesanfälle auslösen kann, dummerweise nach dem Zufallsprinzip. Prompt gerät alles durcheinander. Und da gibt es im Turnsaal noch die Neigungsgruppe Theaterspiel, sechs "Handwerker" sollen "Pyramus und Thisbe" aufführen. Puck verzaubert einen davon in einen Esel, der wiederum Titania bezaubert. Dass ein Lehrerpaar Theseus und Hippolyta, Shakespeares Herrscherpaar, verkörpert, erfährt man am Ende wie so manches in diesem Konzept, dessen Rätsel sich erst nach und nach auflösen.

Denn der kleine Puck hat ein Trauma, seine Eltern - hier Titania und Oberon - sind bei einem Autounfall verunglückt. Als im Spiel im Spiel Pyramus und Thisbe den Tod finden, sieht Puck klar sein Leid, der Weg zur Heilung steht offen.

Im Prinzip "erzählt" Michieletto seine in die Schulzeit verpflanzte Geschichte geradlinig, Bejun Mehta mit seinem Countertenor und die koloraturgeeichte Daniela Fally als Titania stehen naturgemäß in einer anderen Liga - sie sind ja auch Projektionen. Bestens präpariert sind die jungen Kräfte, Natalia Kawalek und Mirella Hagen als Hermia und Helena sowie Rupert Charlesworth und Tobias Greenhalgh als Lysander und Demetrius sind in den Liebeswirren hilflos. Ein tölpeliges Handwerker-Team bilden Tareq Nazmi (auch ein toller habergeißähnlicher Esel), Lukas Jakobski, Michael Laurenz, Dumitru Mădărăşan, Andrew Owens und Kristján Jóhannesson. Die Florianer Sängerknaben bewähren sich als elfische Wesen. Die Wiener Symphoniker bringen unter der beherzten Leitung von Antonello Manacorda beste Qualität, doch Brittens Farbenspiel-Musik trägt wenig Spannung, wirklich zauberisch sind die kurzen Zwischenspiele. Der Premierenapplaus fiel einhellig aus.

Oper: "A Midsummer Night's Dream" von Benjamin Britten; Theater an der Wien; 17., 19., 21., 23., 25. April.

Quelle: SN

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