Musik

Wienerlied erklingt im Wald

Aus Schrammel.Klang wird Schrammel.Klangerl. Aber die coronabedingt verkleinerte Ausgabe des Festivals für das Wienerlied ist an Qualität und Atmosphäre ganz groß.

 SN/APA/WOLFGANG HUBER-LANG

Man kann den Durchhaltewillen von Kulturmanagern wie Zeno Stanek nicht hoch genug preisen. Zu Zeiten, als rundherum das meiste abgesagt worden war, hatte der Gründer und Leiter des Schrammel.Klang.Festivals in Litschau auf Improvisation und Umplanung gesetzt, sodass am Freitagabend eine Coronaregeln-gemäße Version des Festivals eröffnet wurde.

"Es war nicht einfach!", sagte Zeno Stanek zum Auftakt der 14. Festival-Edition im Herrenseetheater im Strandbad Litschau. In der Nähe des Geburtshauses von Kaspar Schrammel, Stammvater der Schrammel-Dynastie, wird der Wiener Heurigen- und Tanzmusik in allen alten und neuen Variationen gehuldigt. Einfacher wäre es gewesen, das Festival abzusagen. Das heurige Festival ist für weniger Gäste sowie mit mehr räumlichem und zeitlichem Abstand als sonst. "Wir haben es geschafft, fast alle, die an drei Tagen aufgetreten wären, auf fünf Wochenenden zu verteilen", sagte Zeno Stanek und betonte, die Regeln mit Abstand, Maskenpflicht, Hygiene und Datenhinterlegung für den Bedarf von Contact-Tracing seien teilweise strenger als behördlich vorgeschrieben.

"Wir sind eine der allerersten Veranstaltungen in Österreich nach diesen Regeln und damit ein Vorzeigeprojekt", sagte der Festivalleiter. Im Herrenseetheater finden nun nur noch 300 Gäste Platz, zwischen jedem Platz - mit Ausnahme weniger Familien-Sitzgruppen - dient ein kleiner Beistellbaumstamm aus dem Waldviertel zum Abstandhalten und Getränkeabstellen. Das tat der Stimmung am Eröffnungsabend freilich keinen Abbruch.

Das neue Konzept sieht zwar keinen nächtlichen Schrammelpfad um den See vor, dafür zehn Abende mit insgesamt 40 Konzerten. Bespielt werden ab 19 Uhr drei Naturbühnen auf einem Floß, auf einer Wiese und im Wald, ehe um 20.30 Uhr der Haupt-Act im Herrenseetheater beginnt. Wenn das Wetter so mitspielt wie beim Auftakt, dann gilt das Diminutiv keinesfalls für das Gebotene, dann ist das kleine Schrammel.Klangerl an Qualität und Atmosphäre ganz groß.

In der Abendsonne sorgte das Duo Rittmannsberger-Soyka auf der Waldbühne, umgeben von Heidelbeersträuchern und Schwammerln, für stimmungsvolle Ausflüge in die Geschichte der Tanz- und Heurigenmusik. Auf der Wiese bot die Familie Mondschein humorvolle Liedinterpretationen. Auf dem Floß zeigte Wiener Brut im Trio, wie selbstverständlich man das Publikum einbeziehen kann.

In der Dämmerung enterten die Neuen Wiener Concert Schrammeln mit Willi Resetarits die Hauptbühne. Das letzte Konzert vor dem Shutdown habe man in der Hamburger Elbphilharmonie gespielt, erzählte Resetarits. "Es kommt mir vor, als wäre es 30 Jahre her." Eine bunte Mischung aus Neuinterpretationen von Maly Nagl, Karl Farkas, H.-C.-Artmann-Vertonungen, ein paar Schrammel-Versionen des Kurt-Ostbahn-Repertoires sowie Ernst Moldens "Awarakadawara" wurden heftig akklamiert.

Der über alle Maßen gelungene Festival-Auftakt bewies: Das echte Wienerlied geht nicht unter - schon gar nicht am Herrensee. In weiteren Konzerten sind u. a. Roland Neuwirth und das radio.string.quartett, das Kollegium Kalksburg, Ernst Molden und Ursula Strauss sowie Der Nino aus Wien angesagt.

Einiges der Litschauer Atmosphäre gibt die neue CD "Neue Schätze - 25 Freunde spielen Lieder von Karl Hodina" (Lotus Records) wieder, die teilweise beim vorjährigen Schrammel.Klang aufgenommen worden ist. "Die letzten Aufnahmen entstanden coronabedingt in zeitlich und physisch getrennten Räumen", schreibt Peter Havlicek im Booklet. "Hier hat sich einmal mehr gezeigt, wie toll es ist, gemeinsam zu musizieren, und welche Kraft davon ausgeht."
Festival: Schrammel.Klangerl, freitags und samstags bis 1. August, Litschau am Herrensee.

Quelle: SN, Apa

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