Musik

Wo Spotify ins Leere greift

Unbegrenzten Zugriff auf Musik verspricht der Streamingdienst, der am 3. April an die Börse geht. Doch manche Hits sucht man vergeblich. Wer sind die letzten Spotify-Verweigerer?

 SN/afp

Die Zahlen sind schwindelerregend: Auf 35 Millionen Titel ist die Musikbibliothek bereits angewachsen, die Spotify für seine Abonnenten auf Knopfdruck bereithält. 159 Millionen Nutzer zählte das 2006 gegründete schwedische Unternehmen im Vorjahr. Damit ist es mit Abstand Marktführer unter den Musikstreaming-Anbietern - auch wenn das Geschäft mit Musik auf Abruf bisher noch immer von hohen operativen Verlusten begleitet war. Das will Spotify-Gründer Daniel Ek ändern: Ende 2018 will er 200 Millionen Nutzer, einen Umsatz von 5,3 Milliarden Euro sowie eine Eindämmung der Verluste vorweisen können. Mit der Prognose sollen künftige Anleger überzeugt werden: Spotify macht nächste Woche seinen lang erwarteten Gang an die Börse wahr. Bei der Suche nach Investoren kann Spotify also mit Superlativen argumentieren. Bei einigen musikalisch wertvollen Aktien greift Daniel Ek hingegen nach wie vor ins Leere.

Wer bei der immensen Songflut im Netz etwa Lust bekommt, "Here Comes The Flood" von Peter Gabriel zu streamen, sucht in der Datenbank vergeblich. Auch epochale Alben des britischen Popdenkers finden sich bei Spotify nicht. Stattdessen gibt es Alternativvorschläge: Hörern, die nach Peter Gabriel suchen, könnte doch auch eine Band namens The New Peter Gabrielz gefallen?

In seiner Frage-und-Anwort-Rubrik klärt Spotify Suchende auf: "Wir wollen alle Musik auf der Welt bei Spotify", heißt es da. Wenn Musiker oder Titel fehlten, liege es zum Beispiel daran, "dass mit Künstlern oder Labels noch keine Vereinbarungen getroffen werden konnten".

Bei Musikern sind Streamingdienste schließlich nach wie vor umstritten: Pro Aufruf eines Songs verdienen sie nur Mikrobeträge. Zu den prominenten Verweigerern des Systems gehörte deshalb lang auch Country-Star Garth Brooks. Mit 148 Millionen verkauften Alben ist der 56-Jährige in den USA der Bestseller unter den Solokünstlern. Auf Spotify, Apple Music und Co. tauchen seine Songs aber nicht auf. "Das sind nette Leute, wir werden bloß nie zusammenarbeiten", sagte er 2017 in Bezug auf Apples Streamingdienst. Das hat freilich auch damit zu tun, dass Brooks mittlerweile einen exklusiven Vertrag mit Amazon hat. Der Internetkonzern betreibt seinen eigenen Musikstreamingdienst.

Hip-Hop-Millionär Jay-Z griff vor vier Jahren zu einer radikaleren Maßnahme, um die neue Marktmacht der Streamingriesen zu untergraben: Er kaufte sich einen eigenen Streamingdienst namens Tidal, der versprach, die Rechte der Künstler in den Mittelpunkt zu stellen. Prominente Miteigentümer wie Madonna, Rihanna, Daft Punk oder Chris Martin wollten mit ihrem Einstieg bei Tidal die Forderung nach einer anderen Verteilung der Streamingeinnahmen unterstreichen.

Denn auch vom Börsegang Spotifys dürften nun vor allem die großen Musikkonzerne profitieren. Sie erhalten nicht nur Ausschüttungen für die Songs, die aus ihren Archiven gestreamt werden. Sony und Co. haben sich auch rechtzeitig Anteile an Spotify erworben und können somit bei einem Börsenerfolg zweifach aus dem Wert ihrer Musikkataloge Profit schlagen.

Bob Seger, Aaliyah, De La Soul, King Crimson: Die Liste an Künstlern, deren Werke bei Spotify nicht oder nur teilweise zur Verfügung stehen, ließe sich fortsetzen. Auch die Industrial-Rocker Tool verweigerten sich dem Streaming bisher konsequent. Heuer soll, nach mehr als zehn Jahren, ein neues Tool-Album erscheinen. Ob es auf Spotify zu finden sein wird? Man darf gespannt sein.

Aufgerufen am 19.11.2018 um 01:18 auf https://www.sn.at/kultur/musik/wo-spotify-ins-leere-greift-26066284

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