Kultur

Neu im Kino: "Einsamkeit und Sex und Mitleid"

Eine Gesellschaftssatire mit Luxusbesetzung erzählt vom Durchschnittsdeutschsein zwischen Lachen und Verzweiflung.

Jeder wurschtelt so dahin auf der Suche nach dem Glück, manche sind widerlich zueinander, und andere empfinden doch ein wenig Empathie: Lars Montags Regiedebüt "Einsamkeit und Sex und Mitleid" nach dem gleichnamigen Roman von Helmut Krausser handelt von einigen mehr oder weniger erwachsenen deutschen Großstädtern, die mehr oder weniger ziellos durchs Leben taumeln, eine Gesellschaftssatire mit Luxusbesetzung, von Jan Henrik Stahlberg bis Maria Hofstätter, in der sich jeder irgendwo wiedererkennen kann, einen angemessen selbstmitleidlosen Blick vorausgesetzt. Denn woran es dem Film fast völlig fehlt, ist Mitgefühl für seine Figuren. Stattdessen gibt es blanken Zynismus.

Gut, manchen ist auch kaum anders zu begegnen, etwa dem aggressiven Exlehrer, der lieber Supermarktangestellte anbrüllt, anstatt für sein privates Scheitern Verantwortung zu übernehmen. Ähnlich ist es bei der gefühlskalten Ärztin, die ihren kompetenten Callboy nur deswegen nicht zahlt, weil er aus Loyalität zu seiner Freundin nicht in ihren Mund kommen will, und dem fremdenfeindlichen Polizistenwürstel, das gegen seine sexuelle Frustration einer blonden Flüchtlingshelferin eine imaginäre Vergewaltigung durch einen Asylwerber einzureden versucht. Ein paar andere Figuren sind dann doch beinah liebenswert: Die vorlaute 14-jährige, die nonstop am Handy hängt, weil sie da von einem umworben wird, den sie nur als "Arab" eingespeichert hat, und der rettungslos verliebte Bursch, der ihr Geld bietet aufgrund der verqueren Logik, seine Religion würde den Umgang mit einer Deutschen verbieten, aber der mit einer Hure wäre erlaubt, "um sich die Hörner abzustoßen".

Über eine oder mehrere Ecken sind die über ein Dutzend Charaktere allesamt miteinander verbunden. Die Mission von Autor und Regisseur, unangenehme Wahrheiten zu demaskieren, scheitert dann an der distanzierten Erzählhaltung, und dem grellen Tonfall: Unmöglich, wie sich die Veganerin da aufführt, die ihrem Mann die Bienenzucht verbietet, oder der Polizist, der angesichts geklauter Schuhe kurzerhand das nächste dunkelhäutige Kind verdächtigt. Das aufschlussreiche "das bin doch ich!" gelingt nicht.

Film: Einsamkeit und Sex und Mitleid. Literaturverfilmung, D 2017. Regie: Lars Montag. Mit Jan Henrik Stahlberg, Maria Hofstätter, Eva Löbau, Rainer Bock u. aö . Start: 5.5.

(SN)

Bilder zum Film „Einsamkeit und Sex und Mitleid“. SN/polyfilm
Bilder zum Film „Einsamkeit und Sex und Mitleid“.
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Bilder zum Film „Einsamkeit und Sex und Mitleid“.
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Bilder zum Film „Einsamkeit und Sex und Mitleid“.
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Bilder zum Film „Einsamkeit und Sex und Mitleid“.
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Bilder zum Film „Einsamkeit und Sex und Mitleid“.
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Bilder zum Film „Einsamkeit und Sex und Mitleid“.
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Bilder zum Film „Einsamkeit und Sex und Mitleid“.
Bilder zum Film „Einsamkeit und Sex und Mitleid“. SN/polyfilm
Bilder zum Film „Einsamkeit und Sex und Mitleid“.
Bilder zum Film „Einsamkeit und Sex und Mitleid“. SN/polyfilm
Bilder zum Film „Einsamkeit und Sex und Mitleid“.

Aufgerufen am 21.02.2018 um 03:51 auf https://www.sn.at/kultur/neu-im-kino-einsamkeit-und-sex-und-mitleid-8585665

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