Kultur

Neu im Kino: Mit Siebzehn ist noch alles möglich

Verliebt sein ins Leben: Das vielfach ausgezeichnete Debüt "Siebzehn" von Regisseurin Monja Art ist eine Romanze, die vom Schweben erzählt.

Paula ist verliebt in Charlotte, die mit Michael zusammen ist, wird aber begehrt von Lilly: Siebzehnsein am Land ist so kompliziert und so einfach wie nichts sonst, zumindest im inzwischen fünffach ausgezeichneten Spielfilmdebüt der erst 33-jährigen Niederösterreicherin Monja Art. "Siebzehn" ist ein flirrendes, unwiderstehliches Debüt, ein Film wie ein Sommergewitter.

Der Film spielt dort, wo Sie selbst her sind, auf dem niederösterreichischen flachen Land, in Lanzenkirchen. Gibt es autobiografische Momente in der Geschichte?
Monja Art: Meine beiden besten Freunde aus der Schule haben den Film bei der Wien-Premiere gesehen und meinten, sie hätten wenig Autobiografisches wiedererkannt, und ich empfinde das auch so. Ich glaube generell an keine objektive Realität, und auch nicht an objektive Wahrheit in einer Autobiografie, weil im Film ja immer Dramaturgie dazukommt, und man kann nie eins zu eins reale Personen als Filmfiguren übernehmen. Aber der Ort, an dem die Geschichte spielt, hat mit mir zu tun. Und das Thema Sehnsucht ist für mich auch ein Lebensthema.

Siebzehn ist ein Zeitpunkt im Leben, wenn etwas zu Ende geht und etwas anderes beginnt. Ist dieses Alter deswegen so faszinierend?
Ja, ich glaube, dass mit siebzehn die meisten im Leben vor einer Wende stehen. Danach kommt die Matura oder der Lehrabschluss, und das ist ein Schnitt, wo man nicht mehr zurück kann, nicht in die Schule, aber auch nicht mehr in die Jugend. Dadurch ändern sich viele Dinge, die großen Themen aber bleiben gleich: Ich glaube, dass wir mit Siebzehn in Wahrheit dieselben Gefühle haben wie später im Leben, gerade die ganzen Liebesverstrickungen, das unglücklich Verliebtsein, die Sehnsucht. Wie man später jemanden um seinen Job beneidet, beneidet man vielleicht in der Jugend noch jemanden um die Person, mit der er oder sie zusammen ist. Mit Siebzehn lässt man die Dramatik wohl noch mehr zu - obwohl, ich hab immer noch einen Hang zur Dramatik, vielleicht ändert sich das nie. Nach der Vorstellung kommen oft Fünzig-, Sechzig-, Siebzigjährige und erzählen, sie hätten sich auch wieder gefühlt wie im Alter von siebzehn.

Dieses Gefühl bedeutet ja auch, dass alles möglich ist: Paula ist verliebt in Charlotte, aber es ist nicht einmal Thema, ob sie lesbisch ist, es ist einfach Liebe. War der Gedanke zentral?
Ich wollte nie einen Film über ein Coming-out machen, ich wollte, dass die sexuelle Orientierung im Film keine Rolle spielt. Ich hab das in meiner Jugend selbst so erlebt, dass alles möglich und frei war. Und bei Gesprächen mit meinen jungen Schauspielerinnen und Schauspielern hat sich gezeigt, dass sie das auch so erleben. Aber wir hatten in Deutschland Schulvorführungen mit Siebzehn-, Achtzehnjährigen, die darüber richtig überrascht waren, weil sie aus dem Kino gewohnt sind, dass das problematisiert wird. Coming-of-Age-Filme sind ganz oft Coming-out-Filme.

Sie sind inzwischen 33. Haben Sie den Eindruck, dass Siebzehnsein heute anders ist, als Sie es erlebt haben?
Ich glaube nicht. Das, was sich verändert hat, ist die Existenz von Social Media. Elisabeth (Wabitsch, die mittlerweile 19-jährige Hauptdarstellerin, Anm.) und die anderen meinten, sie hätten sich alle im Film wiedergefunden.

Ich glaube, dass es letztlich immer gleich bleibt. Aber ich würde nicht noch einmal 17 sein wollen, man gibt da so leicht zu viel von sich her, und auf Facebook kann das dann alle Welt lesen. Diesen Hang zum Pathos hätt ich nicht öffentlich teilen wollen.

Film: Siebzehn. Österreich 2017. Regie: Monja Art. Mit Elisabeth Wabitsch, Anaelle Dészy, Alexandra Schmidt, Alexander Wchodil, Leo Plankensteiner, Christoph Schärf.

Quelle: SN

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