Kultur

"Orfeo hoch 2" mit Buffet im Salzburger Landestheater

Es sollte ein besonderer Opernabend werden, und das ist gelungen. In "Orfeo hoch 2" Sonntag Abend im Salzburger Landestheater trafen die Reform-Oper von Christoph Willibald Gluck mit "The Orphic Moment" von Matthew Aucoin zusammen. Und es war ein Opernabend, bei dem das Publikum in der Pause mit ein paar kleinen kulinarischen Köstlichkeiten verwöhnt wurde - wie in der guten alten Opern-Zeit.

Der 1990 in Boston geborene Aucoin wurde in amerikanischen Medien als "Gesamtkunstwerk", als "Hoffnung der Oper" und als "neuer Bernstein" bezeichnet. Das sind große Worte, aber tatsächlich ist die Klangsprache dieses 26-jährigen Dichters, Dirigenten, Komponisten und Pianisten von auffallender Klarheit und sinnstiftendem Einfallsreichtum. Ohne im Geringsten nach Klangeffekten zu suchen, verknüpfte Aucoin in seiner etwa 20-minütigen Orpheus-Szene ein virtuoses Schlagzeug mit nicht weniger anspruchsvollem Violin-Solo und einer von flächigem Orchesterklang getragenen Gesangslinie für Altus. Dieses Konzept wirkte ebenso raffiniert wie unverbraucht, natürlich und atmosphärisch dicht.

Aucoin stand selbst am Dirigentenpult und brachte seine im März 2016 in New York uraufgeführten "Orpheus-Momente" persönlich zur europäischen Erstaufführung. Im Salzburger Mozarteumorchester hatte Aucoin ebenso seriöse Mitspieler wie im Countertenor Anthony Roth Costanzo.

Dieser Sänger stemmte an diesem Abend gleich zwei Partien. Denn auch in Glucks "Orfeo" hat er mehr als drei Viertel alle Arien und Rezitative zu singen. Ihm zur Seite standen mit Laura Nicorescu und Tamara Ivanis als Euridike und Amor zwei ebenbürtige und klagschöne Sopranistinnen.

Effektvoll, aber nicht platt, stark in seinen Bildern, aber nicht aufdringlich, die Sänger zur Geltung bringend und doch eigenständig in Idee und Ästhetik - so ließe sich die Inszenierung und Raumgestaltung von Douglas Fitch zusammenfassen. Er bediente sich zum einen der überzeichneten, klischeehaften Requisite aus der Operngeschichte und verknüpfte sie mit extrem großformatigen, manchmal mehrschichtigen Videoprojektionen und trickreichen Spielereien der Bühnentechnik. Und trotzdem wirkte diese Regie nicht überladen, passagenweise sogar karg, und immer auf die Geschichte des "verbotenen Umdrehens" konzentriert. Ideal für eine derartige Klangkonfrontation über die Jahrhunderte hinweg, für die es in der jüngeren Opernvergangenheit nicht allzu viele positive Referenzen gibt.

Apropos Vergangenheit: Die wurde am Premierenabend ins Landestheater geholt, in dem neben der Opernaufführung gegessen und getrunken wurde. Zumindest während der Orpheus-Ballettmusik von Gluck. Da wurden dem Publikum ein edler kleiner Imbiss und ein Mini-Gläschen eines herben Kräuter-Drinks gereicht. Das setzte diesem spannenden Opernabend noch ein sympathisches Krönchen auf.

(S E R V I C E - "Orfeo hoch 2" im Salzburger Landestheater: "The Orphic Moment" von Matthew Aucoin und "Orfeo ed Euridice" von Christoph Willibald Gluck. Regie und Raum: Douglas Fitch, Choreographie; Zack Winokur, Videos: Pix Talarico, Kostüme: Irina Kruzhilina, Licht: Günther Schöllbauer. Musikalische Leitung: Matthew Aucoin. Es spielte und sang das Mozarteumorchester und der Chor des Salzburger Landestheaters. Orfeo: Anthony Roth Costanzo, Euridike: Laura Nicorescu, Amor: Tamara Ivanis. Euridike als Tänzerin: Anastasia Bertinshaw, Euridike an der Violine: Ekkehard Windrich. Die Aufführung wird am 24. und 26. Jänner sowie am 8. und 10. Februar wiederholt. http://www.salzburger-landestheater.at)

Quelle: APA

Aufgerufen am 25.09.2018 um 03:41 auf https://www.sn.at/kultur/orfeo-hoch-2-mit-buffet-im-salzburger-landestheater-503557

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