Kultur

Oscar-Film "Moonlight" erzählt von denen, die Menschen sind

Bester Film beim Oscar? "Moonlight"! Erzählt wird vom Erwachsenwerden eines afroamerikanischen schwulen Buben.

"Moonlight" ist eine Offenbarung: Der Film, der dieses Jahr den Oscar für den besten Film bekommen hat, kommt am Freitag ins Kino, und wer ihn sieht, wird bereichert weiterleben. So viel Pathos muss erlaubt sein, wenn es um ein Kunstwerk geht, das auf so machtvolle Weise vom Menschsein handelt. "Moonlight", nach dem gleichnamigen Theaterstück von Tarell Alvin McCraney, erzählt in drei Episoden vom Leben von Chiron. Seine Mama ist cracksüchtig ist. Er wächst in einem Armenviertel von Miami ohne Vater auf. Zu Beginn des Films versteckt sich der Bub (Alex R. Hibbert) vor pöbelnden Schulkollegen in einem Abbruchhaus, wo ihn der breitschultrige Juan (Oscarpreisträger Mahershala Ali) findet.

Juan dealt mit Drogen, und er erkennt, wie hilfsbedürftig dieses Kind ist, das sie "Little" nennen. Weil Chiron sich schweigend in sich selbst verkriecht, nimmt Juan ihn zu seiner Freundin Teresa (Janelle Monáe) mit und gemeinsam gelingt es den beiden herauszubekommen, was los ist: Die anderen machen sich lustig, weil Chiron angeblich weichlich ist und komisch geht. Und nach Hause will er auch nicht. Als Juan ihn doch heimbringt, versteht er auch warum, denn er kennt Chirons Mama Paula (Naomie Harris) als Kundin von der Straße.

Die nächste Episode handelt von Chiron als Teenager (Ashton Sanders), der sich in seinen besten Freund Kevin verliebt hat. Gegen die immer noch mobbenden Schulkameraden wehrt er sich irgendwann mit heftiger Gewalt, die ihn ins Gefängnis bringt. Der dritte Teil erzählt vom erwachsenen Chiron (Trevante Rhodes), der die Codes einschüchternder Männlichkeit gelernt hat, inzwischen selbst dealt, und mit Goldschmuck und Machoschlitten brutale Potenz signalisiert. Und dann kommt ein Anruf von seinem alten Freund Kevin. Die harte Fassade zersplittert.

Wie Regisseur Barry Jenkins Farben, Musik, Blicke einsetzt, erinnert an Meisterwerke von Wong Kar-Wai und Hou Hsiao-hsien, die Oscarnominierungen für James Laxtons Kamera, die fantastische Filmmusik von Nicholas Britell, und den Schnitt von Joi McMillon und Nat Sanders spiegeln das wider. Doch so fantastisch die künstlerische Leistung von Jenkins und seinem Team ist, das mit einem Budget von nur 1,5 Millionen Dollar auskommen musste, "Moonlight" gelingt ein noch viel größeres Unterfangen: Menschen, die im Kino nur selten wahrgenommen werden, werden hier in all ihrer komplexen Verletzlichkeit, in ihrer Zärtlichkeit, ihren Sehnsüchten verständlich. Der Drogendealer Juan wird zum Ersatzvater, die cracksüchtige Mutter ist in ihrer Verzweiflung völlig nachvollziehbar.

Der Film versteht auch, was Armut bedeutet, in einer kleinen Szene kommt das vor, wenn Chiron sich ein Bad macht, und dafür das Wasser in einem Topf am Herd wärmen muss. Gerade der Boden der Badewanne ist eine Handbreit bedeckt, Kinder sparsamer Eltern erkennen sich da wieder. Und "Moonlight" hat die innigste Fast-Sex-Szene, die seit vielen Jahren im Kino zu sehen war, zwischen zwei schwarzen Teenagerburschen. Der Film schafft mit minimalen Mitteln, in stilistischer Vollendung und überwältigender Menschlichkeit, sichtbar zu machen, was sonst unsichtbar bleibt.

Film: Moonlight. USA 2016. Regie: Barry Jenkins. Mit Ashton Sanders, Janelle Monaé, Mahershala Ali, Trevante Rhodes, Naomie Harris, Ashton Sanders.

(SN)

Szenen aus dem Oscar-Film „Moonlight“. SN/thimfilm
Szenen aus dem Oscar-Film „Moonlight“.
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Szenen aus dem Oscar-Film „Moonlight“.
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Szenen aus dem Oscar-Film „Moonlight“.
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Szenen aus dem Oscar-Film „Moonlight“.
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Szenen aus dem Oscar-Film „Moonlight“.
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Szenen aus dem Oscar-Film „Moonlight“.
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Szenen aus dem Oscar-Film „Moonlight“.
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Szenen aus dem Oscar-Film „Moonlight“.
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Szenen aus dem Oscar-Film „Moonlight“.
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Szenen aus dem Oscar-Film „Moonlight“.
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Szenen aus dem Oscar-Film „Moonlight“.
Szenen aus dem Oscar-Film „Moonlight“. SN/thimfilm
Szenen aus dem Oscar-Film „Moonlight“.
Szenen aus dem Oscar-Film „Moonlight“. SN/thimfilm
Szenen aus dem Oscar-Film „Moonlight“.

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