Kopf des Tages

Philosoph zwischen allen Lebenslagen: Franz Schuh wird 70

"Bin bald siebzig, und es genügt mir, heute oder morgen nicht auf der Strecke zu bleiben", schreibt Franz Schuh in seinem neuen Buch durchaus selbstzufrieden. Zum Runden, den er am 15. März begeht, hat er sich ein thematisches Geschenk gemacht: "Fortuna" geht in bewährt alltagsphilosophischer Manier der Frage nach dem großen und kleinen Glück nach.

Der Wiener Kulturpublizist Franz Schuh. SN/APA (Schlager)/ROLAND SCHLAGER
Der Wiener Kulturpublizist Franz Schuh.

"Ich schreibe über das Glück, erstens weil ich Glück hatte und zwar so viel, dass ich damit bis jetzt dem unvermeidlichen Unheil trotzen konnte", heißt es da mit jener Mischung aus dankbarem Frohmut und Urwiener Lebensskepsis, die Franz Schuh in und zwischen allen Lebenslagen zu feinsinnigen Elaboraten befähigt. Kein Thema aus dem Alltag, der Kultur, der Geschichte, zu dem sich nicht ebenso elegant wie ausufernd philosophieren lässt. Kein Thema, über das der Germanist und Philosoph, Essayist und Literaturkritiker nicht auf höchstem Niveau Beobachtungen zu sammeln und darüber zu sinnieren imstande wäre. Schuh habe "in seinem langjährigen, mit gleichbleibender Insistenz vorgetragenen Oeuvre vorbildlich die Rolle eines mit Klugheit, geistigem Furor und schriftstellerischer Brillanz gesegneten Kommentators der Zeit versehen", rühmte denn auch die "Tractatus"-Jury.

Der "Erotiker des Wortes"

Franz Schuh wurde am 15. März 1947 geboren. Er studierte Philosophie, Geschichte und Germanistik, war Generalsekretär der Grazer Autorenversammlung (1976-80), Redakteur der Zeitschrift "Wespennest" und Programmleiter im Deuticke Verlag. Essays, Beiträge und Kritiken erscheinen im Rundfunk und in Zeitungen und Zeitschriften im In- und Ausland, er hatte und hat Lehraufträge an der Universität Klagenfurt, am Mozarteum Salzburg und an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Der "Equilibrist der Sprache" und "Erotiker des Wortes" (so Thomas Rothschild über Schuh), der im Wiener Künstlerhaustheater einmal einen "Beamten des Amtes für Sprachpflege" verkörpert hat, ist ein gefragter Redner und war auch der erste, der im Jahr 2000 zur Eröffnung der "Tage der deutschsprachigen Literatur" eine "Klagenfurter Rede zur Literatur" gehalten hat.

Seine Publikationen umfassen u.a. "Das Widersätzliche der Literatur. Kritische Kritiken" (1981), "Fremdenverkehr. Kritische Texte über den Tourismus" (Hg., 1984), "Liebe, Macht und Heiterkeit. Essays" (1985), "Das phantasierte Exil. Essays" (1991), den Roman "Der Stadtrat. Eine Idylle" (1995) sowie die Essaybände "Schreibkräfte. Über Literatur, Glück und Unglück" (2000), "Schwere Vorwürfe, schmutzige Wäsche" (2006) und "Der Krückenkaktus" (2011). 2007 veröffentlichte er "Hilfe!", einen "Versuch zur Güte", 2008 unter dem Titel "Memoiren" "ein Interview gegen mich selbst".

Trennung zwischen dem Essayisten und dem Philosophen

In diesen "Memoiren" findet sich auch sein Versuch, eine Trennung zwischen dem Essayisten und dem Philosophen vorzunehmen: "Der Philosoph ist gezwungen, seine Behauptungen ernsthaft aufrechtzuerhalten. Das ist eine ordentliche Haltung. Der Essayist hingegen hat - in riskanten Grenzen - die Möglichkeit, das Behaupten selber zu thematisieren. Er kann aus Behauptungen, Meinungen oder Bruchstücken von Ideologemen eine Poesie machen." Und aus seinem eigenen biografischen Erfahrungsschatz einen Roman, wie er 2014 mit "Sämtliche Leidenschaften" unter Beweis stellte.

Als Schreibender und als Radiophilosoph für Ö1 ist Schuh einer der bekanntesten und wohl auch am meisten ausgezeichneten Kulturpublizisten Österreichs: Er hat u.a. den Staatspreis für Kulturpublizistik (1985), den Preis der Stadt Wien für Publizistik (1987), den Jean-Amery-Preis (2000), den Medienpreis Davos (2006), den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch/Essayistik (2009), den Tractatus-Essaypreis (2009) und 2011 den Österreichischen Kunstpreis erhalten. "Mit großer Geschicklichkeit verbindet Franz Schuh Privates und Ästhetisches", rühmte ihn Hubert Christian Ehalt 2009 bei der Verleihung des Goldenen Verdienstzeichen Wiens. Als "Gebrauchsphilosoph" trage er dazu bei, "die Dinge in der notwendigen Schwebe zu halten."

Quelle: APA

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