Kultur

Placido Domingo gab am Philharmonikerball den Takt an

Superstar Placido Domingo hat am Philharmonikerball am Donnerstagabend persönlich den Takt vorgegeben: Zum zweiten Mal nach 1984 dirigierte der Kammersänger die Eröffnung des wohl edelsten Ball der Saison im Wiener Musikverein. "Das sind schon große Gefühle", sagte er der APA. Sonst stand das Fest heuer ganz im Zeichen des 100. Geburtstages des legendären Dirigenten Leonhard Bernstein.

Placido Domingo nahm den Taktstock in die Hand SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Placido Domingo nahm den Taktstock in die Hand

Nach seinem Auftritt als Dirigent beim Opernball 2017 griff Domingo auch bei den Philharmonikern zum Taktstock. "Ich werde jetzt aber nicht jeden Ball dirigieren", versicherte der Startenor.

Der Ball wurde einmal mehr seinen Ruf als Künstlerball gerecht: Pianist Rudolf Buchbinder kam ebenso wie die Schauspieler Sunnyi Melles und Max Müller sowie die Opernsänger Ferruccio Furlanetto, Ludovic Tezier und Carlos Alvarez. Auch der Chef des Mailänder Scala, Alexander Pereira, und Staatsoperndirektor Dominique Meyer besuchten die Philharmoniker. Seitens der Politik kamen Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP), Kanzleramtsminister Gernot Blümel (ÖVP) sowie der Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ).

Die Eröffnung des Balles übernahm das weltberühmte Haus-Orchester natürlich selbst. Unter der Leitung von Domingo begrüßten die Wiener Philharmoniker die Gäste mit den "Ballsirenen" aus "Die lustige Witwe" auch "Waltz" aus "Divertimento" von Bernstein in dem zu einem prachtvollen Tanzsaal umgebauten Goldenen Saal. Die über 100 Tanzpaare des Jungdamen- und Jungherren-Komitees tanzten ganz im Sinne des Ball-Mottos "Hommage an Wien" eine Choreographie zu "Wien bleibt Wien", ein Marsch von Johann Schrammel, und den Walzer "Weana Madln" von Carl Michael Ziehrer. Die Debütantinnen trugen dabei die traditionelle Haarspange in Form eines Violinschlüssels aus Swarovski-Kristallen - dieses Mal im Farbton "Lavendel". Einstudierung und Leitung lagen wieder in den erfahrenen Händen von Thomas Schäfer-Elmayer. Dem Tanzmeister oblag zudem wieder die Leitung der Publikumsquadrillen um Mitternacht und um 2.00 Uhr früh. Zuvor gab er aber einmal mit "Alles Walzer" das Parkett für die Gäste frei.

Neben der "Hommage an Wien" stand der Abend aber ganz im Zeichen des 100. Geburtstag von Bernstein. Die Wiener Philharmoniker und der Dirigent waren zeitlebens eng miteinander verbunden. Bernstein war Ehrenmitglied und trat in den 24 Jahren des gemeinsamen Wirkens bei rund 240 Konzerten und Opernabende mit dem Orchester auf. Dementsprechend war im "PORR-Spiegelsaal"-Raum am Ballabend eine Bernstein-Ausstellung zu sehen. Zusätzlich erhielten die Ballgäste das Buch "A Tribute to Leonard Bernstein" als Give-away. Auch die Familie war vertreten: Sowohl die Tochter des Dirigenten Nina Bernstein als auch der Neffe Michael Bernstein besuchten das Fest.

Der erste Ball der Wiener Philharmoniker fand am 4. März 1924 statt und mauserte sich sehr schnell zu einem der Höhepunkte der Ballsaison. Er wurde bisher 70 Mal im Wiener Musikverein veranstaltet. Nach einer kriegsbedingten Pause wurde die edle Veranstaltung ab 1949 erneut ein jährlicher Fixpunkt des Wiener Faschings. Einmal fiel der Ball seither aus: 1991 wurde das Fest - ebenso wie der Opernball - kurzfristig wegen des Golfkrieges abgesagt.

Quelle: APA

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