Kultur

Rebecca Horner in "Sacre": "Virtuose Selbstzerstörung"

Am Ende steht die virtuose Selbstzerstörung. Wenn Meisterchoreograf John Neumeier Strawinskis "Sacre" übersetzt und Formen von Gewalt durchdekliniert, kommt zuletzt der Kampf mit dem eigenen Ich und dessen Auslöschung. Diese destruktive wie aufregende Rolle kommt bei der Staatsballett-Doppelpremiere am Sonntag (19. Februar) der Tänzerin Rebecca Horner zu.

Rebecca Horner im APA-Interview.  SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Rebecca Horner im APA-Interview.

Premiere ist am 19. Februar, 18 Uhr. Weitere Termine gibt es am 20. Februar, 10. und 13. März. "Es ist die totale Zerstörung. Ich liebe diese Herausforderung", zeigte sie sich im APA-Interview nach der Probe erschöpft und begeistert. Mit John Neumeier verbindet die gebürtige Wienerin, die als Otto Schenks vorlaute Enkelin in "Opa ist der Beste" auch dem TV-Publikum der 1990er-Jahre im Gedächtnis ist und in den vergangenen Jahren sowohl an der Volksoper wie an der Staatsoper mit charakterstarken Ballettpartien aus dem modernen Repertoire glänzte, bereits ein wichtiger Karrierebaustein.

"Er hat mich zurückgeholt", erzählt Horner, die vor wenigen Tagen ihren 28. Geburtstag feierte. Nach ihrer Babypause war die Tänzerin 2012 zunächst an die Volksoper ins Ensemble zurückgekehrt. Weil dort gerade Urlaubspause war, nahm sie eines Tages im Herbst 2014 an der Staatsoper an einem Training teil - zufällig schaute Neumeier zu, der gerade für "Josephs Legende" die Besetzung zusammenstellte. Zunächst erfuhr sie nur, dass sie die Einstudierung als Reserve mitlernen würde, nach Neumeiers nächstem Probenbesuch fand sie sich plötzlich in der Premierenbesetzung.

Zwei Jahre später ist sie wieder in einer prägenden Neumeier-Rolle dabei. Was sie an der Arbeit mit ihm schätzt, ist die Möglichkeit, innerhalb seiner Formensprache zum echten, eigenen Ausdruck zu finden. "Bis es einfach stimmt." Und: "Es ist ungewöhnlich, wie viel Zeit Neumeier damit verbringt, uns das Stück zu erklären", so Horner. Er spreche über die Hintergründe, seine politische Reflexion der 70er-Jahre. "Und diese Themen von einer Gesellschaft, die sich durch einen ersten Akt der Gewalt zu spalten beginnt, bis sie sich eigentlich immer weiter selbst auslöscht, sind auch heute aktuell. Diesen Bezug zu haben, hilft, die Arbeit wirklich zu begreifen und das hilft wiederum, diese Belastung überhaupt auszuhalten."

Denn neben der psychischen Belastung ist auch die körperliche beachtlich - Neumeier erfordert "130 Prozent Einsatz", Horners Solovariationen dauern fünf Minuten, eine Ewigkeit in der Ballettwelt: In einem klassischen Spitzentanzstück währt die Soloeinlage in der Regel unter zwei Minuten. "Ich finde es wahnsinnig toll, was meine Kolleginnen in den klassischen Stücken machen, wie sie die perfekte Technik beherrschen - und ich weiß, dass ich das niemals könnte", sagt Horner. "Mir ist es aber ein großes Bedürfnis, mich mit dem ganzen Körper auszudrücken."

So sehr sie das klassische Ballett liebe - "sonst wäre ich nicht hier" - sei doch den traditionellen Partien mitunter eine "Ästhetik um der Ästhetik willen" zu eigen, eine Bewegungssprache, die Bedeutung und Expression schwierig mache. Für sie selbst war jedenfalls immer klar: "Ich will Ballett machen." Für die Schauspielkarriere, die sie schnell zum Kinderstar machte, "hatte ich nie irgendwelche Ambitionen", für die Zukunft jenseits der Ballettjahre, will sie eine Rückkehr ins Schauspiel aber zumindest nicht ausschließen. "Aber eher im Theater, als vor der Kamera. Für mich muss es live sein."

Auch Tochter Ruby, mittlerweile fünf Jahre alt, fängt gerade mit Ballett an. "Aber nur, weil sie das unbedingt wollte", betont Horner. "Ich hätte sie niemals dazu gedrängt. Ich bin genauso wenig eine Ballett- wie eine Eishockey-Mama." Die Vorbildwirkung - Rubys Vater ist der Staatsballett-Tänzer und aufstrebende Choreograf Andrey Kaydanovskiy - war dann wohl doch zu groß.

Quelle: APA

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