Kultur

Rhapsodie und lange Nase: "Pinocchio" in der Volksoper

Pinocchio - das ist eine freche Holzpuppe, deren Nase beim Lügen länger wird. Es ist eine Geschichte von Menschwerdung und Kindsein, eine fast 140 Jahre alte Abenteuerserie von Carlo Collodi, Vorlage für unzählige Bearbeitungen, Filme, Theaterstücke - und für die Kinderoper von Pierangelo Valtinoni, die am Sonntagabend ihre österreichische Erstaufführung in der Wiener Volksoper erlebte.

Ein unbekümmert fragmentarisches Klangmärchen, das Philipp M. Krenn als schelmisches Spektakel inszeniert hat: Zappelphilipp und Volksopern-Sopranistin Juliette Khalil erlebt als lebendig gewordene Marionette abstruse und surreale Abenteuer, deren kausaler Abfolge man zwar nur schwerlich folgen kann - aber sei's drum, lustig anzuschauen sind sie allemal.

Die Tricks kommen zu gleichen Teilen aus der guten alten Theaterkiste und aus dem Projektor, Pinocchio segelt als Animationsfigur durch die Wolken und als echter Bühnenmensch durch die Unterwasserwelt, im Puppentheater wird er zersägt, in der Großstadt ausgeraubt, vom Schnee verschüttet, vom Wal verschluckt, von den Ärzten für tot erklärt und vom Zirkusdirektor zu Kanonenfutter verarbeitet - das ist mitunter ziemlich gruselig und so effektvoll realisiert, dass es unter den jüngeren Zuschauern schon mal zu weit aufgerissenen oder fest zugekniffenen Augen kommen kann.

Die Ohren werden indes sanfter behandelt. Unter Dirigent Guido Mancusi verwandelt das Volksopernorchester den großen symphonischen Score Valtinonis in zugkräftige, rhapsodische Klangmalerei, eine Spiegelung der fantastischen Geschichte mit wenig Ohrwurmpotenzial aber starkem szenischem Gestus. Der italienische Komponist gehört mit dieser 2001 uraufgeführten, sowie mit seinen anderen Kinderopern zu einem der meistgespielten seiner Zunft in seiner Heimat und ließ sich gestern auch persönlich feiern.

Verdienten Jubel holten sich nicht nur die Bühnenprofis wie die quirlige, stimmlich trittsichere Juliette Khalil oder Daniel Ohlenschläger als Geppetto ab, sondern vor allem die Mitglieder des Kinder- und Jugendchores der Volksoper, die nicht nur für den eigentlichen Charme des Abends, sondern mit den Chorpassagen auch für einige der schönsten Szenen verantwortlich waren (Leitung: Brigitte Lehr). Die Kinder machen einen tollen Job - und sie bevölkern die Bühne gleichsam als verlängerter Arm des Publikums. Am Ende werden die Kulissen weggerollt und die Bösewichte schälen sich aus den Kostümen. Alles nur Märchen, handgemacht. Gott sei Dank.

(S E R V I C E - "Pinocchio" von Pierangelo Valtinoni. Regie: Philipp M. Krenn, Dirigent: Guido Mancusi. Mit Juliette Khalil, Daniel Ohlenschläger, Martina Dorak, Kinderchor und Jugendchor der Wiener Volksoper. Weitere Vorstellungen am 26. und 27. November, 3., 6., 8., 10., 14. und 18. Dezember. www.volksoper.at)

Quelle: APA

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