Kultur

Riesige Hände und Spielkarten bei Bregenzer Festspielen

Die Bregenzer Festspiele haben am Freitag einen Teil des Geheimnisses der Kulisse von "Carmen", der Seebühnenaufführung in den kommenden zwei Spielzeiten, gelüftet. In einem Zelt unweit der Bühne entsteht derzeit eine 17 Meter hohe und 20 Tonnen schwere Hand. Gemeinsam mit einer noch größeren zweiten Hand und Spielkarten bildet sie das zentrale Element des von Es Devlin geschaffenen Bühnenbildes.

Riesige Hände als Teil der Bühnenkulisse.  SN/APA/MATHIS FOTOGRAFIE
Riesige Hände als Teil der Bühnenkulisse.

20 Meter wird die zweite Hand insgesamt in die Höhe ragen, bei einem durchschnittlichen Wasserstand des Bodensees werden allerdings ungefähr 1,40 Meter nicht zu sehen sein, hieß es bei der Präsentation des ersten Teils des Bühnenbildes in Bregenz. Eigentlich wollten die Verantwortlichen des Bregenzer Festivals von der zweiten Hand gar nichts verlauten lassen, Ausstattungsleiterin Susanna Boehm rutschte dieser Umstand bei ihrem begeisterten Vortrag über die Entstehung der Kulisse aber plötzlich über die Lippen.

Festspielintendantin Elisabeth Sobotka sprach schließlich noch von Spielkarten, die gestapelt bereits am Seeufer liegen. "Was mit diesen Elementen passiert, möchte ich aber noch ein bisschen als Geheimnis stehen lassen", versuchte Sobotka erneut einen Schleier des Verborgenen über das "sehr, sehr assoziative Bühnenbild" zu legen. Nur noch soviel gab sie bekannt: "Es wird viel bespielt werden bei dieser 'Carmen'." Das Entstehen und Lebendigwerden der Seebühne könne man via Webcam auf jeden Fall live mitverfolgen.

Zwei Hände zu schaffen, die "ganz hautnah realistisch aussehen, ist eine große Herausforderung", erzählte Boehm von "sehr, sehr vielen Entstehungsschritten". Als Vorlage diente ein Handmodell der britischen Szenografin, übrigens der ersten weiblichen Bühnenbildnerin bei den Bregenzer Festspielen seit 1946. Die Grundstruktur in der Ausführung, die rund sieben Monate in Anspruch nimmt, bildet eine Stahl-Holz-Konstruktion. Darauf befinden sich pro Hand rund 200 Teile, die in Styropor gefräst wurden. Diese wurden anschließend mit Fassaden- und Spritzputz bearbeitet, dann grundiert. Zum Schluss wurden einigen Schichten unterschiedlicher Farbtöne aufgetragen, um dem menschlichen Hautton möglichst nahe zu kommen. Dass die am PC auf den Millimeter genau bemessenen Einzelteile sich in der Realität nicht genauso erstellen lassen, davon berichtete Kascheur Frank Schulze: "Zwischen den Styroporelementen gab es beim Zusammensetzen bis zu zehn Zentimeter breite Spalten, die überbildhauert werden mussten." Seine "größte Challenge" sei es aber gewesen, die neun Lautsprecher pro Hand zu verstecken.

Herausforderungen hatte das Festspielteam seit Jänner einige zu bewältigen. So war etwa die "eisige Kälte nicht wirklich förderlich", gab Technikdirektor Wolfgang Urstadt zu. Dennoch sei man im Zeitplan, freute er sich gemeinsam mit der Festspielintendantin. In einem nächsten Schritt werden nun die im Zelt entstandenen Einzelteile für den Transport wieder auseinandergenommen, zum See gebracht, auf ein Schiff verladen und bei der Seebühne mit einem Kran an ihren vorbestimmten Platz gesetzt, wo sie wieder zu einem Ganzen werden sollen. "So gut wie fertig" werde das Bühnenbild ("zumindest die wesentlichen Teile") Mitte April sein, stellte Urstadt in Aussicht.

Die Proben zu Georges Bizets Oper "Carmen" auf der Seebühne werden Mitte Juni beginnen. Die Besetzung sei größtenteils komplett, sagte Festspielsprecher Axel Renner auf APA-Nachfrage. Statisten würden aber noch gesucht. Ihre Premiere wird "Carmen" am 19. Juli feiern, 28 Vorstellungen werden bis 20. August zur Aufführung gelangen. Knapp über die Hälfte der aufgelegten 193.000 Tickets seien gebucht. Karten gebe es noch für alle Vorstellungen, wenn auch nicht immer in den besten Kategorien, freute sich Sobotka über einen der besten Vorverkäufe seit Beginn der Bregenzer Festspiele.

Quelle: APA

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