Kultur

Salzburger Filmemacher: Von besten und schlimmsten Welten erzählen

Für Salzburger Filmemacher ist 2017 ein erfolgreiches Jahr. Nun erfüllt der Ausblick auf kommende Projekte mit Vorfreude.

Adrian Goiginger SN/polyfilm
Adrian Goiginger

Den größten Erfolg feiert seit Monaten Adrian Goiginger: Sein Film "Die beste aller Welten" wurde mehrfach ausgezeichnet, in Salzburg läuft er seit September ununterbrochen im Filmkulturzentrum Das Kino. Virgil Widrichs historische Fantasy "Die Nacht der 1000 Stunden", die bereits Ende 2016 in die Kinos kam, wird weiterhin immer wieder aufgeführt. Und im März 2018 kommt Bernhard Braunsteins "Atelier de Conversation" ins Kino, eine Doku über die Konversationstreffen im Pariser Centre Pompidou; der Film erhielt beim Festival in Karlsbad den Spezialpreis der Jury.

Filmemacher aus Salzburg sind, wie auch weitere Beispiele zeigen, derzeit so umtriebig wie selten: Der junge Comiczeichner und Animationsfilmer Alexander Gratzer hat im November mit vier seiner Animationskurzfilme Preise bei Festivals errungen. Regisseur Günter Schwaiger, dessen zweite Heimat Spanien bisher Schauplatz seiner meisten Dokumentarfilme war (zuletzt "Seit die Welt Welt ist"), bereitet dieser Tage den Dreh seines ersten Spielfilmprojekts vor: "Der Taucher" spielt in der deutschsprachigen Nobelcommunity auf Ibiza, "ein Psychodrama mit dem Hintergrundthema der Gewalt gegen Frauen", erzählt Schwaiger, in den Hauptrollen werden Franziska Weisz und Alex Brendemühl spielen.

Lukas Valenta Rinners Satiredrama "Die Liebhaberin", das sich zwischen einer bewachten Wohnanlage und einem Nudistencamp in Argentinien entfaltet, wurde heuer bei der Diagonale als bester Spielfilm ausgezeichnet. Nun schreibt der Salzburger Regisseur und Autor am Drehbuch für seine erste rein österreichische Produktion, in der sich zwei "österreichische Lebenswelten" überschneiden, wie Rinner erzählt. Zum einen geht es um einen älteren Herren, der seinen Job verliert und daraufhin einen Schlepperring aufbaut, zum anderen um einen Studenten, der bei einer schlagenden Burschenschaft Aufnahme findet und so einen sozialen Aufstieg schafft. Da der Film politisch brisant zu werden verspricht, wünscht sich Rinner möglichst bald einen Drehbeginn, "am besten Ende 2018".

Auch Marko Doringer, dem mit seinen Langzeitdokus "Mein halbes Leben" und "Nägel mit Köpfen" treffende Porträts seiner Generation gelungen sind, arbeitet an zwei Filmen. "Traumfabrik" ist in der Drehphase, hier geht es um Menschen Ende dreißig, die zwischen Selbstfindung und -ausbeutung ihr Auskommen und womöglich privates Glück zu finden versuchen. In "Lachen und Weinen" soll es auch um Doringers Suche nach seiner Identität als Vater gehen.

Adrian Goiginger ist unterdessen weit davon entfernt, sich auf Lorbeeren auszuruhen. Auch sein nächster Film hat mit seiner Familie zu tun, "diesmal geht's um meinen Urgroßvater, der vor ein paar Monaten im Alter von 99 Jahren gestorben ist und mir bis kurz vor seinem Tod viel von seinem Leben erzählt hat", sagt Goiginger. Als sechsjähriges Kind war er von seinen Eltern an einen Bauernhof abgegeben worden, weil sie ihn als jüngstes von neun Geschwistern am Salzburger Land nicht ernähren konnten. "Der Film wird, so wie ich ihn im Kopf habe, dem Jungen auf der Suche nach der Liebe folgen, die er als Kind verlor." Der Drehbeginn ist frühestens 2019 möglich.

Quelle: SN

Aufgerufen am 16.10.2018 um 03:26 auf https://www.sn.at/kultur/salzburger-filmemacher-von-besten-und-schlimmsten-welten-erzaehlen-21318025

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