Kultur

Salzburger Volkskulturpreis: Was man braucht zum Glücklichsein

Natürlich den SN-Volkskulturpreis, finden das Ensemble "Radau & Co", die Clowns von "Kolilibri" und Christine Hochwimmer mit ihrem Samplhaus in Bramberg. Sie nahmen am Donnerstag die begehrte Auszeichnung entgegen.

Im Saal der "Salzburger Nachrichten" ist es so leise, dass man die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören könnte, wenn es keinen Teppichboden gäbe. Da - sie kommen auf die Bühne! Die Zuschauer setzen sich noch aufrechter auf ihre Sessel, recken ihre Hälse und halten die Luft an. Langsam blickt der Clown Cosimo, alias Peter Gruber, in den Saal. Er beweist Mut zum Doppelkinn und setzt sein breitestes und verschmitztestes Grinsen auf. Im Publikum springt der Funke über, das Lachen pflanzt sich im ganzen Saal fort.

Doch was machen Clowns beim Volkskulturpreis, könnte man jetzt fragen? Sie sind Ausdruck dafür, dass sich dieser Begriff nicht nur auf Dirndl und Lederhose beschränkt, sondern viel breiter aufgestellt ist. Oder, wie es Peter Gruber ausdrückt: "Volkskultur ist sinnstiftend, gemeinschaftsfördernd und steht für Freude - genau das ist der Kern unserer Arbeit bei ,Kolilibri'." Die drei Clowns besuchen Kindergärten und Seniorenheime und schaffen es, ohne große Worte mit den Kindern und Alten eine Beziehung aufzubauen. Besonders berührend ist ihre Arbeit mit Demenzkranken. "Man könnte auch sagen: Humor heilt", sagt Peter Gruber. Für die Jury des Volkskulturpreises unter dem Vorsitzenden Professor Karl Müller Grund genug, dem Projekt den Förderpreis zuzusprechen.

Eine, die ihr Herz und ihr Haus für "Dåsige" und Fremde weit öffnet, ist Christine Hochwimmer aus Bramberg. Sie erbte vor zehn Jahren das Samplhaus in der Hadergasse von ihrer Tante. "Von dieser Gasse aus ist Bramberg überhaupt erst besiedelt worden", erzählt Hochwimmer. Es sei der geheime Herzenswunsch ihrer Tante gewesen, dass dieses Haus erhalten bleibt und zu einem Kulturzentrum ausgebaut wird. Heute bietet Hochwimmer Workshops, Projekte, Ausstellungen und Führungen für Schulklassen an. Auf der Bühne präsentiert sie mit leuchtenden Augen einen Korb, der für alles steht, was ihr im Samplhaus wichtig ist: alte und neue Schindeln, das Gemüse aus dem Bauerngarten, aber auch Produkte, die schon fast in Vergessenheit geraten sind. "Früher ist bei uns Getreide angebaut worden und auch Flachs. Wir haben eine Ausstellung gemacht, ,Vom Flachs zum Leinen', um den Leuten zu zeigen: Es geht", sagt Hochwimmer.

Was alles geht, wenn man mit Leidenschaft an eine Sache herangeht, beweist das Ensemble "Radau & Co" mit themenbezogenen Kinderkonzerten. Wie diese ablaufen, zeigen Elisabeth und Josef Radauer, Monika Sigl-Radauer sowie Katharina und Rupert Pföß im SN-Saal gleich vor, am Beispiel der Gasteiner Weitmoser-Sage. Schon bald schürfen alle Zuschauer in einem rhythmischen Kanon nach Gold und summen mit: "Wos braucht ma denn ois, um glücklich zu sein?" Mit der Antwort bedanken sich die Ausgezeichneten auf charmante Art und Weise bei den SN: "An Preis der Kultur, an Kaffee in da Fruah und a druckfrische Zeitung dazua." So einfach kann das Glück sein.

Der SN-Volkskulturpreis

Alle zwei Jahre wird der Volkskulturpreis im Saal der SN verliehen. Initiiert hat diesen der langjährige SN-Redakteur Bernhard Strobl. Das Preisgeld von insgesamt 12.000 Euro kommt vom Land Salzburg sowie von der "Kurt-und-Felicitas-Vössing-Stiftung".

Der Hauptpreis, der mit 6000 Euro dotiert ist, wurde heuer an Christine Hochwimmer mit ihrem Samplhaus in Bramberg verliehen. Die beiden Förderpreise, mit je 3000 Euro, gingen an das Ensemble "Radau & Co" und an die Clownvisite "Kolilibri". Das Ehepaar Elisabeth und Josef Radauer, die Musik- und Tanzpädagogin Monika Sigl-Radauer (im Bild mit Kulturlandesrat Heinrich Schellhorn) und das Musikerehepaar Katharina und Rupert Pföß veranstalten themenbezogenen Kinderkonzerte. Die Clowns Peter Gruber, Andrea Öllerer und Birgit Berger besuchen Kindergärten und Seniorenheime.

Aufgerufen am 17.08.2018 um 02:52 auf https://www.sn.at/kultur/salzburger-volkskulturpreis-was-man-braucht-zum-gluecklichsein-14626972

Schlagzeilen