Kultur

Schau zu rassistischen Aufklebern in München

Antisemitische und rassistische Aufkleber waren vor und in der Nazi-Zeit weit verbreitet. Sie klebten nicht nur an Laternenpfählen und Garagentoren, sondern wurden auch auf Liebesbriefe und sogar Würste geklebt. Sie seien "Vorboten der Gewalt" gewesen, sagte Winfried Nerdinger, Direktor des NS-Dokumentationszentrums in München, am Dienstag zur Eröffnung der Ausstellung "Angezettelt".

Aufkleber seien "Vorboten der Gewalt" gewesen.  SN/APA (dpa)/Alexander Heinl
Aufkleber seien "Vorboten der Gewalt" gewesen.

Die Schau zeigt die Geschichte der Aufkleber von 1880 bis heute. Was vor der Nazizeit mit geklebten Hassbotschaften gegen Juden begann, "endete mit der Deportation in die Vernichtungslager", so Nerdinger.

Die Menschen klebten die Hetz-Zettelchen damals auf Scheiben jüdischer Geschäfte oder auf Klingelschilder jüdischer Anwälte. "Mein Einkauf hat mit Juden nichts zu tun", beschriftete ein Metzger seine Wurst, wie Kuratorin Isabel Enzenbach sagte. Ein Liebespaar schrieb sich glühende Briefe - und versiegelte sie mit Aufklebern mit Parolen gegen Juden. Nazi-Gegner wiederum klebten ihre Aufrufe heimlich - oder steckten sie anderen Menschen in die Manteltaschen.

Bis heute nutzen Firmen Sticker zur Werbung. Als Sammelbildchen kleben sie in Alben und laut Enzenbach kursieren auch schon Martin-Schulz-Aufkleber. In Zeiten von Internet und sozialen Medien hätten sie keineswegs ausgedient. "Man kann den öffentlichen Raum damit besetzen." In Poing bei München gab es 2015 eine Hetzkampagne: "Integration kostet Millionen, Rückflüge nur 19 Euro", hieß es auf Zetteln oder: "Arbeitsplätze zuerst für Deutsche". Bürger verteilten daraufhin zum Nikolaustag Schoko-Nikoläuse, die ihrerseits auf Stickern forderten: "Menschenrechte statt rechte Menschen", oder sehr eingängig: "Ho ho ho, Nazis No."

Quelle: Apa/Dpa

Aufgerufen am 18.11.2018 um 01:15 auf https://www.sn.at/kultur/schau-zu-rassistischen-aufklebern-in-muenchen-319405

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