Kultur

Schauspielerin Emmanuelle Riva mit 89 Jahren gestorben

Die französische Kinolegende Emmanuelle Riva hat sich für immer von der Leinwand verabschiedet. Die Schauspielerin, die einst mit dem Resnais-Klassiker "Hiroshima, mon amour" berühmt wurde und in Michael Hanekes "Amour" einen späten Alterserfolg feierte, verstarb am späten Freitag im Alter von 89 Jahren in Paris an Krebs. Dabei war Emmanuelle Riva bis zuletzt dem Filmgeschäft treu geblieben.

Die Französin starb "nach langer Krankheit".  SN/APA (AFP/Archiv)/VALERY HACHE
Die Französin starb "nach langer Krankheit".

Ihr vorletzter Film, "Paris pieds nus" von Fiona Gordon und Dominique Abel, soll im Frühjahr in die Kinos kommen. Auch für eine isländische Produktion hatte Riva noch vor der Kamera gestanden. Untrennbar wird ihr Name allerdings mit dem Klassiker "Hiroshima, mon amour" aus 1959 bleiben. Alain Resnais Liebesgeschichte zwischen einer französischen Schauspielerin und einem japanischen Architekten in der von der Atombombe zerstörten Stadt Hiroshima machte Riva einst mit einem Schlag weltweit bekannt.

"Jeder Mensch hat mehrere Leben in sich. Und in unserem Beruf können wir all diese Möglichkeiten ausleben", freute sich Riva im Jahr 2012 in Cannes, wo Hanekes "Amour" (Liebe) mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde. Sie spielt in dem Alterswerk die Rolle der Anne, die an der Seite ihres Ehemannes Georges (Jean-Louis Trintignant) langsam dem Tod entgegengeht. Für diese Rolle erhielt sie den Cesar als beste Schauspielerin und eine Oscar-Nominierung.

Das war dann schon im Abendrot einer Karriere, die ihren Ausgang im Jahr 1927 im kleinen ostfranzösischen Chenimenil nahm, wo die spätere Schauspielerin als Paulette Germaine Riva in eine Arbeiterfamilie geboren wurde. Gegen den Widerstand ihrer Familie ging sie mit 19 Jahren nach Paris, wo sie Schauspielunterricht nahm.

Nach ihrem Durchbruch mit "Hiroshima, mon amour" folgte eine lange Kinolaufbahn, die Riva etwa 1962 den Preis als beste Schauspielerin beim Filmfestival von Venedig (für Georges Franjus "Die Tat der Therese D.") einbrachte. Zugleich tat sich die distinguierte, intellektuelle und feinsinnige Riva schwer in einer Zeit, in der laszive Kolleginnen wie Brigitte Bardot gefragt waren. So wandte sich Riva vor allem auch dem Theater zu, wo sie in zahllosen Rollen auf der Bühne stand.

Ungeachtet dessen blieb sie dem Kino und Fernsehen mit rund 80 Rollen im Laufe ihres Lebens treu und war etwa 1993 in Krzysztof Kieslowskis "Drei Farben: Blau" zu sehen. Sie war präsent, aber eher auf Nebenrollen der Mutter und schließlich Großmutter abonniert und nicht immer in qualitativ hochwertigen Produktionen zu sehen - bis der österreichische Starregisseur Michael Haneke sie wieder ins Rampenlicht rückte. Mit ihrer Oscar-Nominierung für "Amour" im Alter von 85 stellte Riva den Rekord als bis dato älteste Genannte auf, auch wenn sie die Trophäe schließlich nicht zugesprochen bekam.

Aber auch abseits von Bühne und Leinwand war die kreative Riva aktiv und veröffentlichte etwa mehrere Gedichtbände und machte 2009 mit der Publikation eines Bildbands auch als Fotografin auf sich aufmerksam.

"Emmanuelle Riva hat das französische Kino stark geprägt mit 'Hiroshima, mon amour', das von schmerzhafter Erinnerung handelt, oder mit 'Amour', der sich mit dem Ende des Lebens auseinandersetzt", reagierte Frankreichs Präsident Francois Hollande in einer Stellungnahme auf die Todesnachricht. "Emmanuelle war einzigartig - fast wie eine Kantate", würdigte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP der einstige Präsident des Filmfestivals von Cannes, Gilles Jacob, die Verstorbene.

Quelle: Apa/Ag.

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