Kultur

Serapions Ensemble widmet sich 2017 der Herzensbildung

Die "wenig beruhigende Entwicklung der Menschheit" hat das Wiener Serapions Ensemble zu einer Trilogie zum Thema Herzensbildung inspiriert. Unter dem Übertitel "Fidèles d'Amour" werden 2017 drei selbstständige, aufeinander aufbauende Arbeiten gezeigt, wobei mit "Das Rauschen der Flügel" der erste Teil am 2. Februar Premiere feiert, kündigte Erwin Piplits beim heutigen Pressegespräch im Odeon an.

Die Überzeugung, dass uns die Herzensbildung - also die Fähigkeit, "ein eigenverantwortliches und würdiges Mitglied der Menschheit zu sein" - abhandengekommen ist, hat Piplits zu drei Erzählungen des persischen Philosophen Schihab ad-Din Yachya Surawardi (1153-1191) geführt, auf denen die Trilogie basiert. Surawardi habe "eine Philosophie der Erleuchtung aus dem Islam heraus entwickelt", so Piplits, der damit auch klar ein Zeichen gegen Islamophobie setzen will. In Zeiten, in denen sich "politische Umtriebe ein religiöses Kleid umhängen", könne es "nicht schaden, auch eine andere Seite des Islams zu zeigen".

Gemeinsam mit Ivana Rauchmann und Mario Mattiazzo hat der Theaterleiter die Erzählungen über einen jungen Mann auf Erkenntnissuche um einen "weiblichen Parallelweg" erweitert. Die beiden Lebenspartner begegnen sich über alle drei Geschichten hinweg - auf "Das Rauschen der Flügel" folgt ab 5.5. "Rebellion" und ab 12.12. "Der Ruf" -, um im Finale zueinanderzufinden. Die teils gesungenen, teils gesprochenen Texte werden in die charakteristische visuelle Sprache des Ensembles, das aus Menschen 14 verschiedener Länder und Kulturen besteht, eingeflochten. "Nicht Auszusprechendes" wird wie gewohnt in Tanz und Malerei umgesetzt.

Haben die Tänzer des Serapions Ensembles einst "schweigend ihre Kostüme spazieren getragen", scherzte Piplits, habe sich "allmählich die Lyrik bei uns breitgemacht". Diesen Eindruck verstärken zwei weitere Produktionen des Jahres: Regisseurin Ivana Rauchmann nimmt sich im Oktober mit "Unter der Glasglocke" dem Schicksal dichtender Frauen wie Ingeborg Bachmann und Sylvia Plath an. Und Tania Golden gestaltet den musiktheatralischen Abend "Es ist was es ist", für den der Komponist Joe Pinkl eine Reihe von Gedichten von Erich Fried vertont hat, die wiederum von der Sängerin Shlomit Butbul vorgetragen werden. "Es wird ein Abend über die Liebe in Zeiten des Krieges", meinte Golden, "wobei der Krieg oft im Inneren herrscht." Premiere für die Koproduktion des Odeons mit Goldens Plattform "Artists for Austria" sowie Butbuls Verein "SHIR-Music" ist am 12. März.

Einen Blick hinter die Kulissen gewährt das Ensemble mit Ausstellungen im "Spitzer", dem ehemaligen Magazin des Odeons, das schrittweise adaptiert werden soll - "schrittweise deshalb, weil wir im Überfluss an Geldmangel leben", so Piplits. Den Anfang machen Bühnenbildarbeiten von Max Kaufmann und Eva Grün für Philipp Harnoncourts "Porgy and Bess"-Inszenierung an der Mailänder Scala (Februar/März), gefolgt von einem Einblick in die Entstehung einer Serapions-Ensemble-Produktion (Mai/Juni) sowie Malereien Eva Grüns (Juli/August).

(S E R V I C E - "Fidèles d'amour I - Das Rauschen der Flügel", eine Inszenierung des Serapions Ensembles unter der Leitung von Erwin Piplits, Mario Mattiazzo und Ivana Rauchmann, Bühne: Erwin Piplits, Max Kaufmann, Mirjam Salzer, Julius Lankes, Musik: Hans Wagner, Julio Cesar Manfugas Foster, Angelika Haas. Premiere am 2. Februar, Weitere Termine von 3. bis 25. Februar sowie von 9. bis 11. März. "Es ist was es ist. Liebestöne nach Erich Fried", eine Koproduktion von SHIR-Music, Artists for Austria und dem Odeon in der Regie von Tania Golden, Vocals/Schauspiel: Shlomit Butbul, Musik: Joe Pinkl, Andreas Lindenbauer, Florian Wilscher, Bühne: Erwin Piplits, Premiere am 12. März, Weitere Vorstellungen von 13. bis 28. März, 3. bis 30. April sowie am 1. Mai. www.odeon-theater.at)

Quelle: APA

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