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Sigrid Löffler - Eine Suchtleserin wird 75

Die österreichische Literaturkritikerin Sigrid Löffler prägte das literarische Leben unter anderem als Mitglied des Literarischen Quartetts und schreibt seit vielen Jahren auch für die "Salzburger Nachrichten".

Sigrid Löffler. SN/gezett.de
Sigrid Löffler.

Sigrid Löffler ist eine leidenschaftliche und also auch streitbare Kritikerin der Literaturszene. In Zeitungen und Zeitschriften aber auch im Fernsehen und als Jurorin diverser Wettbewerbe hat sich mit dem geschriebenen Wort auseinandergesetzt. Am Montag (26.Juni) feiert die selbst mehrfach prämierte österreichische Publizistin ihren 75. Geburtstag. Seit ein paar Jahren schreibt sie auch für die "Salzburger Nachrichten".

Große Bekanntheit erlangte sie durch ihre langjährige Teilnahme an der ZDF-Sendung "Literarisches Quartett" und ihrem nicht friktionsfreien Ausstieg. Sie geriet mit Marcel reich Ranicki derart in die Haare bekommen, dass sie daraufhin die Sendung verließ. Grund war das Buch "Gefährliche Geliebte" des japanischen Autors Huraki Murakami im Jahr 2000. Davor war Löffler zwölf Jahre lang Teil des erfolgreichen Formats.

Streiterei mit Marcel Reich Ranicki

Aber schon davor hatte in Aussig im heutigen Tschechien geborene Literaturkritikerin mit ihrem prominenten Kollegen Marcel Reich-Ranicki sie etliche Stationen in ihrer Karriere absolviert. Die selbsttitulierte "Suchtleserin" hat in Wien Anglistik, Philosophie und Pädagogik studiert und 1966 promoviert. Ihre ersten journalistischen Sporen verdiente sie sich unter der Chefredaktion Otto Schulmeisters im außenpolitischen Ressort der "Presse". Ihre kulturjournalistische Karriere, die sie zu einer der profiliertesten deutschsprachigen Vertreter dieses Fachs machte, hob dann beim Nachrichtenmagazin "profil" an, wo sie von 1972 bis 1993 arbeitete und zuletzt als stellvertretende Chefredakteurin tätig war.

Kündigung bei "profil" schlug Wellen

Ihre Kündigung durch das Nachrichtenmagazin sorgte wegen einem umstrittenen und später aufgehobenen Nebenbeschäftigungsverbot während der Kündigungsfrist für Aufregung. Unter anderem schrieb Elfriede Jelinek dazu: "Es wäre gut, sich jetzt daran zu erinnern, was Löfflers Schreiben für die österreichische Kultur geleistet hat." Als Mitglied des "Literarischen Quartetts" hatte Löffler, die 1992 den Österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik erhielt, schließlich der heimischen Literatur viel Aufmerksamkeit geschenkt - mit Lob, aber auch oft scharfer Kritik.

Wie streng sie in ihrem Urteil ist, belegt auch folgende Aussage: "Bei vielen Büchern genügt ein Kontrollblick auf die erste Seite, und man weiß, was das Buch taugt." Wobei sie in ihrer Arbeit mehr als gründlich war. Als sie von 2000 bis 2008 die Zeitschrift "Literaturen" herausgab, galt immerhin eine sehr intensive Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Kritikgegenstand als notwendig, wie sie festhielt: So sollten Bücher, die vorgestellt wurden, gründlich gelesen werden - "und zwar nicht nur einmal, sondern zweimal".

Führte das Feuilleton der "Zeit"

Bereits davor war Löffler, die von 1996 bis 1999 Feuilletonchefin der deutschen Wochenzeitung "Zeit" war, in zahlreichen Zeitungen und Magazinen mit ihren Texten präsent. Außerdem war sie in ihrer Tätigkeit als Jurorin für unterschiedliche Preise oft sehr vehement in ihrem Urteil und ihren Äußerungen, etwa bezüglich der Affäre um den Heine-Preis für Peter Handke oder die Antisemitismusvorwürfe gegen Martin Walser. 2013 war Löffler Jurorin der Berliner Autorentheatertage, im Jahr darauf kam es zu einer Auseinandersetzung mit dem Autor Lukas Bärfuss über Eskapismus der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Und dass sie weiterhin nicht müde wird, für ihre Überzeugungen einzutreten, zeigte sich bei der Verleihung des Literaturnobelpreises an Musiker Bob Dylan - für Löffler eine "fantastische Fehlentscheidung".

Quelle: APA

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