Kultur

"Spider-Man: Homecoming": Aufwärts Richtung Superheld

Der flapsige Superheld "Spider-Man" spinnt schon wieder seine Netze. Seine neueste Inkarnation im Kino ist allerdings unerwartet sehenswert.

Zum dritten Mal in 15 Jahren gibt es einen neuen "Spider-Man", den Teenager Peter Parker (gespielt von Tom Holland), der von einer radioaktiven Spinne gebissen zum Superhelden wird. Überraschenderweise ist der neue Film aber anders, selbstironisch und so divers wie nie zuvor. Regisseur Jon Watts erläutert im SN-Interview, wie eine oft erzählte Filmfigur wieder neu wird: "Es gibt kein Regelwerk", sagt er über die Arbeit innerhalb des Marvel-Comicuniversums.

SN: Herr Watts, Sie haben bisher nur an kleinen Produktionen gearbeitet. Wie war der Wechsel zu einer der wahrscheinlich größten Filmproduktionen derzeit?
Jon Watts: Es war ziemlich erstaunlich. Ich habe vorher nur zwei Filme gedreht, und davor Videos für die Satirewebsite "The Onion". Es war also ein gewaltiger Sprung. Aber ich habe darüber möglichst wenig nachgedacht, um nicht zu nervös zu werden. Und in der Praxis ist der Unterschied gar nicht so groß: Man ist am Set, vor der Kamera stehen ein paar Schauspieler, und man versucht, alles möglichst glaubwürdig und unterhaltsam aussehen zu lassen. Das Drumherum ist natürlich gigantisch.

Tom Holland als "Spider-Man" ist die dritte Inkarnation in 15 Jahren, und eindeutig die bisher lustigste. Wie kommt das?
Wenn ich mir überlege, wie es wäre, Peter Parker und Spider-Man zu sein, fällt mir vor allem ein, wie viel Spaß das machen muss. Klar sind da Verantwortung, Drama und Konflikt, aber vor allem muss es unglaublich lustig sein, 15 Jahre alt zu sein und das alles zu können. Er ist noch kein perfekter Superheld, und beim Lernen macht er Fehler und bringt sich in blöde Situationen. Spider-Man war immer der witzelnde Superheld, lange bevor es "Guardians of the Galaxy" gab, vor "Deadpool", er wurde erfunden, um einen anderen Blickwinkel auf das Superheldendasein zu haben, und zwar den eines selbstironischen Teenagers, der Witze reißt, während er die Bösewichte einfängt.

Ist diese Form der Selbstironie und der ständigen Selbstinszenierung nicht auch ein besonders Merkmal der jungen Generation?
Ja, doch. Es ist eine Fantasyversion unserer Welt, aber es ist mir natürlich wichtig dass zeitgenössische Motive und Stimmungen den Film prägen. Und klar kann da niemand mehr seine Freunde von Telefonzellen aus anrufen oder Briefe schreiben, das wäre unrealistisch. In den Comics war Peter Parker Fotograf, und die moderne Version davon ist eben, dass er hier alles um sich herum mit dem Smartphone filmt.

In den Siebziger Jahren gab es eine Spider-Man-Fernsehserie, die zwar heute billig aussieht - aber die Stunts waren damals alle echt, und das macht bis heute großen Reiz aus. Wie sieht das bei Ihrer Arbeit hier?
Wir haben uns bemüht, so viel wie möglich wirklich zu machen, ohne Greenscreen. Es gibt etwa eine Einstellung, die auch im Trailer zu sehen ist, in der Spider-Man am Rand einer Feuerleiter in New York sitzt und telefoniert, er fällt fast runter und hängt dann horizontal in der Luft, sechs Stockwerke über dem Queen's Boulevard. Das haben wir wirklich gemacht, Tom war nur von zwei Seilen gesichert. Die sind im Film natürlich nicht zu sehen, der Rest ist echt, sogar der Sonnenuntergang im Hintergrund.


Es gab im Laufe der Jahre unzählige Inkarnationen dieser Figur. Wie viel haben Sie davon übernommen?
Das einzige, worauf wir uns direkt beziehen, ist die Einführung der Figur in "The First Avenger: Civil War" (2016), da war ich schon fix engagiert und durfte meinen kreativen Senf dazugeben. Aber abgesehen davon durften wir weitgehend tun was wir wollten. Es war zugleich lustig und furchteinflößend, so gar keine Vorgabe zu haben. Ich hab dann begonnen, die alten Comics wiederzulesen, und das hat mir geholfen, und eine Geschichte zu finden. Überraschenderweise gibt es kein Regelwerk dafür, wie ein Marvel-Drehbuch zu schreiben ist, die sind dort im Grunde ein paar Fans, die sich mit den Comics gut auskennen, und man sitzt gemeinsam in einem Raum und schmeißt Ideen herum, und dann geht man und schreibt das Drehbuch.

Aber es gibt doch einige Querverbindungen innerhalb des Comic-Universums von Marvel, mussten Sie da keine Rücksicht nehmen?
Mein Film handelt von einem Jungen, der unbedingt Teil dieses Universums sein will, aber die anderen wollen ihn noch nicht richtig mitspielen lassen. Insofern hatte ich meinen eigenen Sandkasten, in dem ich spielen durfte. Und ja, es gibt einige kleine und größere Querverbindungen, viele davon werden vor allem Fans entdecken. Aber ich hab mir immer vorgestellt, was sich meine Mama bei dem Film denken würde. Für die muss er auch funktionieren, genauso wie für die Leute, die seit ihrer Kindheit die Comics lieben.

Film: Spider-Man: Homecoming. Comicverfilmung, USA 2017. Regie: Jon Watts. Mit Tom Holland, Michael Keaton, Robert Downey Jr., Marisa Tomei, Jon Favreau, Donald Glover

Quelle: SN

Aufgerufen am 24.09.2018 um 06:13 auf https://www.sn.at/kultur/spider-man-homecoming-aufwaerts-richtung-superheld-15084793

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